Wie es zu einem zweiten Friedhof in Wiefels kam

Bildergalerie: Das Friedfeld am Utlander Weg

Zufälle und guter Wille sorgten dafür, dass aus dem "zur Verwendung für den Auftragnehmer" überlassenen Friedhofaushub vom Kirchplatz in Jever eine neue Ruhestätte für die tausenden von Knochen, Grabkammersteine, Sargreste usw. entstand.

Aushub und Abraum werden in einzelnen Haufen abgelegt.
Regen,weicher Marschboden und schwere Lastkraftwagen sorgen für großen Schlammflächen.
Gerade abgeschütteter Aushub vom Kirchplatz aus Jever. Eine Mischung aus Klei, Sand, Bauschutt, Knochen, mittelalterlichem bis neuzeitlichem Abfall und modernem Müll. Die Bodenfeuchtigkeit reicht aus, dass eine einheitlich aussehende graue Masse entsteht.
 
Erst der Regen sorgt dafür, dass die tonigen Anteile des Bodens weggespült werden. Die  festen Teile werden langsam sichtbar. Der körnige Sand tritt deutlicher hervor und die Gebeine werden goldgelb freigelegt.
Die Gelenkkugel eines Oberarms wird freigespült.

Mit jedem Regen werden auch mehr und mehr rote Backsteinreste freigespült. Auch diese lohnt es genauer zu betrachten:  große Backsteinformaten weisen auf mittelalterliche Klosterformate hin, an einigen Backsteinresten sind geformte Rundungen, Kehlungen oder Ansätze erkennbar. Diese Formsteine wurden benötigt, wenn man Portal- und Fensterbögen erstellen wollte. Solche Funde im Aushub sind ein Hinweis darauf, dass auch eine der Vorgängerkirchen am Kirchplatz solche Verzierungen aufgewiesen haben muss. An manchen Backsteinen finden sich auch glasierte Bereiche. Ob diese beabsichtigt waren oder eher durch zu starken Brand entstanden sind, bleibt offen. Man findet nur wenige vollständige dieser Steine, denn alles was seinerzeit noch brauchbar war, wurde in anderen Bauten weiterverwendet.
 
Auf einer Fläche von 20 x 40 Metern wird der Oberboden der Wiese bis in eine Tiefe von ca. 50 cm abgetragen. In dieser Tiefe tritt bereits der grünblaue Ton auf, schnell füllt sich die Grube mit Wasser: Wir befinden uns in der Marsch.
Dort hinein wird der mittlerweile herangefahrene Aushub gefüllt. Durch dieses Umwälzen ergibt sich eine erneute Gelegenheit, den Aushub oberflächlich abzusuchen

Die auseinanderliegenden Haufen werden mehrmals mit dem Bagger umgesetzt.

Obwohl der bisherige Klinkerbelag der Straße um den Kirchplatz zuerst auf wiederverwendbare Steine sortiert wurden und der nicht verwendbare Rest dieser Klinker getrennt vom Bodenaushub entsorgt wurde, finden sich im Abraum große Menge von diesen lila-blauen Straßenklinkern. Da diese nicht in die Friedhofserde gehören, werden sie abgesammelt.
Betonklumpen, Teile von modernen Bordsteinen und andere kaum weiter verwendbare Steine werden von uns aussortiert. Dieser Haufen "Bauschutt" ist noch klein. Letztlich müssen zwei LKW-Fuhren zur Entsorgung abgefahren werden.

Eine  "Tagesernte" von verwendbaren Straßenklinkern und Feldsteinen.

Die Reste aus dem modernen Tiefbau: Schachteinlauf, Kabelreste, Trassenbänder Verpackungsfolien, Gummidichtungen, KG-Muffe, Schnittreste von Gas- oder Wasserrohren, Schlauch...  Unvergängliche Stoffe werden durch die fehlende - weil vermeintlich teure - Siebung mit dem Aushub in die Landschaft gebracht: eine Vermüllung der Landschaft durch öffentliche Auftraggeber.
PVC und alte Elektrokabel
mit Ölen bzw. Fetten zur Isolierung sind dabei die Stoffe, die eigentlich als Sondermüll zu entsorgen wären....
Trassenbänder für Telefon und Strom (gelb). Die lila-roten dachförmigen Plastikstreifen dienten früher als Warn- und Schutzabdeckung für Starkstromleitungen.
Im Vordergrund "Geotextil" und Verpackungsfolie.
Eine andere Ansicht. Auffällig wenige "Konsum-Abfälle" wie die Kaugummitüte:  Nahezu alle Abfälle sind Werkreste oder sind die Überbleibsel der "vorgeschriebenen" Tiefbautechnik.
Getrennte Verpackungsfolie und Bindematerial: Unvergängliches Plastik, welches mit dem Boden in die Landschaft  transportiert wurde...
Von hier aber ging es in den gelben Sack!