Der Boiberg bei Haddien

Ein verschwundener Platz


Die Nordsee als Schelfmeer hat, nachdem in der Nacheiszeit das Land von der Doggerbank durch den Anstieg des Meeresspiegels bis zum heute sichtbaren Geestbereich geflutet wurde, zeitweilig in den letzten 3 bis 4 tausend Jahren wieder neues Land angeschwemmt, die Menschen haben seit dem früheren Mittelalter dieses Land urbar gemacht. Es war wirtschaftlich hervorragend zu nutzen. Gegen die oft auftretenden höheren Fluten sicherten sie sich ihre Hofstellen auf künstlichen Hügeln, die wir heute als Wurten, Warften, Warden, Wurpen, Terpen (niederländisch) und in weiteren Abwandlungen bezeichnen. Später wurde das noch durch Priele durchschnittene Marschenland durch Deiche arrondiert. Oft schlug die Macht der Nordsee alles wieder kaputt, aber die Menschen gaben nicht auf.

Schucht-Karte
Die Wurten bzw. Warften im Jeverland hier als Punkte.
Ausschnitt aus der Geolog. Karte des Wesermündungsgebietes von F. Schucht (in: Zeitschrift f. Naturwissenschaften Bd. 76 (1903).
Wurten und Deiche als Zeugnisse dieser früheren baulichen Leistungen stehen heute unter Denkmalschutz. Sie dürfen nicht beinträchtigt oder beseitigt werden. Bei aufmerksamer Fahrt durch das Wangerland und anderen Marschenländereien ist zu erkennen, dass sich Straßen oft auf alten Deichstrecken befinden. Die neuen, auffallend höheren Seedeiche sind mit 8 bis 9 Metern Höhe über Normalnull (NN) und breiter Ausladung der Schutz des Landes. Darinnen befinden sich noch viele Wurten aus alten Zeiten, oft mit landwirtschaft Gehöften besetzt. Ganze Dörfer wie Ziallerns, Haddien, Wiefels oder oder Sengwarden stehen auf solchen Wurten. Es gibt auch viele unbebaute „Viehwurten" in verschiedener Größe.

Ob es früher mehr dieser Bauwerke gab, darüber gibt es kaum Kenntnisse. In den Marschen der Niederlanden (Friesland) wurden über 100 Jahre bis in die 1930 Jahre Wurten kommerziell abgegraben, da sich der Boden der Wurten, mit landwirtschaftlichen Abfällen und Mist durchsetzt, als fruchtbarer Boden und Düngung für die Geestbereiche verkaufen ließ. Diese kommerzielle Ausbeutung rief die Wissenschaft auf den Plan und der Biologe Albert van Giffen (1884-1973) und andere Wissenschaftler begründeten die niederländische Archäologie der Wurten. Auch in Ostfriesland sollen vielfach Altdeiche und Wurten beseitigt worden sein (s. A. Heinze). Im Jeverschen Wochenblatt vom 28. Mai 1909 schildert der Landwirt P. Cornelius aus Großemeer als Empfehlung die hohe Wertigkeit der kompostartigen Wurtenerde. In engem Kontakt mit den niederländischen Forschern entstand 1938 die Niedersächsische Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven, heute als Niedersächsisches Institut für historische Künstenforschung (NIhK) bekannt.

Im auf seine Geschichte bewusst stolzen Jeverland wurde die Beseitigung einer Wurt zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch mehrere damalige Persönlichkeiten („gelehrten Leuten") besonders beachtet. Berichte dazu in den Zeitungen und entsprechenden Magazinen veröffentlicht: Eine große Wurt zwischen Waddewarden und Haddien wurde über mehrere Jahrzehnte abgebaut. Es war eine besonders große und hohe Wurt, wohl nie bebaut, aber mit zahlreiche Geschichten, Aberglauben etc. bedacht.

Schucht-Karte
Die höchste Wurt der Provinz Friesland in den Niederlanden Hoogebeintum mit 8,8 m wurde um die 19. Jahrhundertwende weitgehend abgegraben. Einzig die Kirche blieb auf einem Teil stehen. Ein Informationszentrum bebildert heute die Geschichte.
1802 haben Braunsdorf/Martens diese in ihrer geographischen Beschreibung der Herrschaft Jever auf Seite 102 aufgeführt: „Der Bojeberg, wo ehedem die Hexen sollen getanzt haben im Monat Mai und Juni. Er liegt zwischen Haddien und Canarienhausen."
Sello berichtet, dass dieser Boy-Berg bereits aus den Jeverschen Prozessakten des 16. Jahrhunderts bekannt sei. In Waddewarden seien 1592 die Hexenschaften besonders zahlreich durch Folter abgepresst worden, der Tanz auf dem Boyeberg wird ausdrücklich erwähnt (Sello 1928, S. 103-4).

Ob dieser volkstümlichen Geschichten und der Spuk der Grund für die Beseitigung war?

Friedrich von Thünen, seinerzeit auf Canarienhausen wohnend (der Bruder des Agrar- und Wirtschaftsökonom Johann Heinrich von Thünen) berichtete 1824 in den Oldenburgischen Blättern zuerst von den Abgrabungen.

Lesen Sie selbst - die Schreibweise der damaligen Zeit ist ausdrücklich beibehalten worden, einzig die Fußnoten wurden von der druckseitenweisen Zählung zu fortlaufend geändert. Die von mir eingeschobenen Bilder dienen der Verdeutlichung.

Die Oldenburgischen Blätter Nr. 50 vom 13.12.1824 berichten auf Seite 95:

Der Boiberg.

Am Fahrwege von Waddewarden nach Hooksiel, zwischen Canarienhausen und Haddien, liegt links im Lande, ein mäßiger, vormahls ziemlich hoher Hügel, wie sie in der Binnenmarsch ziemlich häufig gefunden werden.
Selten haben diese in den Feldern liegenden unbebaueten Hügel besondere Namen und sie werden gewöhnlich nur schlechthin Berg (Barg) genannt; dieser ist aber unter dem Namen Boibarg oder Bojebarg bekannt und es scheinen sich daran noch immer alte Erinnerungen oder Ueberlieferungen zu knüpfen. Wenigstens war früher allgemein der Glaube, daß auf dieser Anhöhe feurige Geister hauseten und spukten; und noch jetzt giebt es Altgläubige, die behaupten, daß darauf ein feuriger Eber umher gehe und grunze.
Möglich ist es immer, daß dieser Hügel seit je her für die Umgegend von Bedeutung war, und in der Nähe von Haddien, dem früheren, und Canarienhausen, dem späteren Sitze der Junker von Haddien gelegen, scheint er als Richtstätte gedient zu haben, da noch, wie ich glaube, im siebzehnten Jahrhundert daraus eine unglückliche Hexe verbrannt wurde, worüber die Acten in der Kunstenbachischen Sammlung befindlich seyn sollen.

aktuelles Fioto
Blick von Haddien nach Westen im August 2023:
die heutige Landstraße verläuft in der Allee links, rechts in der Baumgruppe Canarienhausen.
Den Namen hat er vermuthlich von dem altfriesischen Worte Boje oder Boing, welches mit dem Englischen boy verwandt ist. Es bezeichnete das, was man nachher mit dem Namen Junker andeutete. Vermuthlich wurden ursprünglich nur die Söhne der Häuptlinge und angesehenen Eingesessenen damit benannt. So wie aber jetzt auch Alte mit dem Namen Junker belegt werden, so geschah es ohne Zweifel auch mit dem Namen Boing — Bojeberg ist also soviel als Junkernberg, oder der Berg der Junker von Haddien.
Als dieser Hügel von dem vorigen Besitzer und dem jetzigen, Borchert Janßen Ohmstede zu Haddien, zu zweyen Mahlen abgefahren und um mehrere Fuß erniedrigt wurde, fand man an der Ostseite etwa 3 bis 4 Fuß unter der Oberfläche 6 oder 7 menschliche Gerippe in einer Fläche dicht an einander wegliegend, und das Gesicht nach Osten gekehrt ohne Spuren von vorhanden gewesenen Särgen, welche schon wegen der gedrängten Lage nicht haben vorhanden seyn können.
An der Westseite dieses Hügels aber fand man, ebenfalls ganz mit Erde überdeckt, einen runden Hügel, etwa 8 bis 1o Fuß im Durchmesser, von theils großen theils kleineren Kieselsteinen aufgeworfen, zwischen welchen man beym Wegräumen Erde und darin mehrere umgestürzte sogenannte Urnen fand. Die Masse der Urnen war mürbe und weich, ließ sich ohne Hinderniß mit dem Spaden durchstoßen, und so wurden nur ein paar unbeschädigt herausgebracht. Leider wurden sie nicht beachtet, und als ich die Sache erst lange nachher erfuhr, war von der einen nur noch ein Stück vorhanden.
Die Gestalt dieser Urnen war die gewöhnliche Topfform, ganz so wie man sie so häufig aus den sogenannten Hühnengrabern hervorgebracht hat und nur von mittlerer Größe. Sie standen aber nicht, wie sonst bey den Hühnengräbern, in der Erde unter großen Decksteinen, sondern befanden sich in umgestürzter Lage zwischen den Steinen umher. In mehreren dieser Töpfe fanden sich Spuren von Asche und in einem außerdem ein hörnerner Kamm und ein Einschlagmesser, welche beyde Stücke ich aber zu meinem großen Bedauern nicht mehr gesehen habe.
alte Flurkarte Haddien
Haddien im Urkataster 1842, geostet.
Die Eintragung Boiberg stammt wohl von A. Salomon.
Aus: Führungsschichten im Jeverland.
Sehr merkwürdig ist diese Sache dadurch, daß man, so viel ich weiß, sonst nie in der Marsch ähnliche Steinhügel und Urnen gefunden hat; nur Freese in seinem Ostfries - und Harlingerland führt S. 176. an, daß man, bey Anlegung eines neuen Deiches bey Larrelt, verschiedene Urnen ausgegraben habe, welche also wahrscheinlich auch im Marschboden gefunden sind. Immer ist dies aber ein Beweis mehr, daß auch bey den ältesten Bewohnern unserer Marschen, den Strand-Chaucen, die Verbrennung der Todten und die Aufhebung der Asche in Urnen, wenigstens in einzelnen Fällen, gebräuchlich war. Als allgemein darf man es wohl nicht annehmen, da sonst diese Todtenhügel und Urnen häufiger auf den sogenannten Bergen in der Marsch gefunden werden müßten, und schon die Herbeyschaffung so vieler und zum Theil großer Steine auf einen von der Geest entfernt liegenden, damahls gewiß bey jeder Fluth vom Wasser umgebenen Hügel, eine so große Arbeit war, die nur zur Verehrung der Anführer und zum Zweck gottesdienstlicher Verrichtungen, zum Opferplatz, und zum Versammlungsort, durch Vereinigung Vieler zu Stande gebracht werden konnte.
Ohne Zweifel ist also der Boiberg noch ein Ueberbleibsel aus uralter Zeit und fast gewiß noch einer jener Hügel, von deren Beschaffenheit, so wie von dem Leben der Strand-Chaucen auf demselben, uns Plinius eine so traurige Schilderung gemacht hat.
Bedeutend ist immer dabey der Fund des Kammes und vorzüglich des eingeschlagenen Taschenmessers, und man muß entweder annehmen, daß dennoch die Cultur unter den Einwohnern größer war, als jene Schilderung von Plinius glauben läßt, oder vermuthen, daß dies Messer von den Römern herrühre, die unter Germanicus und später diese Gegend besuchten, und mit den Strandbewohnern in Freundschaft lebten; aber dies geht nicht, da der Hügel gewiß erst von Adams spätern Nachkommen aufgeworfen wurde, wie die ganz gemengte Erde, hier wie auf allen Warfen, bis zur Tiefe vom Mayfeld, ganz bestimmt beweist; wie denn Ahrends Hypothese, daß die Warfen größtentheils von den Strömungen der Fluthen abgesetzt seyen, durchaus unstatthaft und an sich unmöglich ist, da die See den Schlamm in einzelnen Hügeln und Bänken nicht über die Höhe der ordinairen täglichen Fluth, und in ausgedehnten begrünten Flächen nur um weniges höher, bringen kann.
Als vor etwa 20 Jahren die große Glocke zu Waddewarden auf der Tralenser Warfe umgegossen wurde, fand man auch dort, beym Ausgraben der dazu nöthigen Vertiefung, mehrere menschliche Gerippe, eben so wie auf dem Boiberge, aneinander wegliegend. Dies scheint auf etwas Gemeinsames zu deuten, und wenn ähnliche Lager an verschiedenen Orten entdeckt würden, so könnte man daraus mit einiger Wahrscheinlichkeit schließen, daß vor oder nach der Zeit, wo es Sitte des hier wohnenden Volkes war, die Todten zu verbrennen, bey einem anderen Volksstamm oder zu anderer Zeit es Sitte war, die Leichen in einer Reihe an einander zu begraben. Indessen deutet die Richtung der Gerippe von Osten nach Westen schon einigermaßen auf ein christliches Begräbniß, und so gewinnt die Vermuthung, welche der Herr Magister Braunsdorf, bey Gelegenheit jener Tralenser Gerippe, äußerte, daß diese vielleicht von, in der Weihnachtsfluth 1717. verunglückten und an der Warfe angetriebenen Leichen herrühren möchten, viele Wahrscheinlichkeit, um so mehr als von der Zahl der damahls Ertrunkenen nur wenige im Kirchenbuche als zu Waddewarden begraben aufgeführt stehen.

Friedrich von Thünen.

Über ein halbes Jahr später erscheint in derselben Zeitschrift ein weiterer Bericht (Oldenburgischen Blätter Nr. 32 vom 8.8.1825):


Ueber den Boiberg.
(Mit Beziehung auf den Aufsatz in Nr. 50. dieser Bl. vom vorig. J.)


In dem ganzen Scandinavischen Norden, einem Theil von Schottland, dem nordwestlichen Frankreich, den Niederlanden, dem nördlichen Deutschland, findet man häufig Begräbnißplätze, welche den ältesten Bewohnern dieser Länder zugeschrieben werden. Vergleicht man diese Grabstätten mit einander, so findet man bey ihnen, in allen verschiedenen Ländern, dieselbe Lage, dieselbe Construction, dieselben darin enthaltenen Gegenstände. Die letzteren namentlich deuten auf eine gleiche und gleichzeitige Cultur, auf gemeinschaftliche Sitten und Gebräuche, und führen zu der oft aufgestellten Behauptung, daß wirklich ein und derselbe (Celtische) Volksstamm diese Gegenden zuerst bewohnte, und schon in frühester Zeit von Nordosten nach Südwesten fortziehend, anderen Stämmen, deren Invasion sich später datiert, und von denen wir mehr historische Nachrichten haben, überall diese Spuren seines frühen Daseyns hinterließ.
Es ist hier nicht der Ort, diese Meinung weiter zu entwickeln, auch ist sie vielfach verhandelt worden, noch kürzlich in einer holländischen gekrönten Preisschrift von Nicolaus Westendorp a).
Die Nachforschungen über diese Hügelgräber zeigen, daß es zwey verschiedene Arten von Bestattung der Leichen gab, nämlich, daß man theils die Körper der Verstorbenen verbrannte und ihre Asche in thönernen Krügen bewahrte, theils die Leichname unversehrt begrub.
Diese beyden Arten von Begräbnissen stammen aus verschiedner Zeit, und haben namentlich in der alten Dänischen Geschichte die Eintheilung in zwey Zeitalter, das Brennalter (Brenn-Alderen) und das Hügelalter (Hog-Alderen) veranlaßt.
Die Todten unverbrannt der Erde zu übergeben, war die älteste, vor Othins Einwanderung in den skandinavischen Norden übliche Sitte b). Othin brachte aus Asien den Gebrauch, die Leichen zu verbrennen, und seit seiner Invasion, welche etwa um das Jahr 70. vor Christo erfolgt seyn mag, (nach Einigen A. 490. v. Chr., nach andern A. 250. nach Chr.) nahmen die scandinavischen Völker sowohl als die angränzenden norddeutschen Volksstämme diese Sitte an c).
Von dieser Zeit datirt sich das Brennalter, obgleich das Beerdigen der Körper noch eine Zeitlang neben der Combustion üblich war d).
Einer von Othins Nachkommen, der Dänische König Dan Mikillati, führte wieder die Beerdigung der Leichname ohne vorgängiges Verbrennen ein. Er selbst ließ sich in einer Höhle unverbrannt beysetzen. Diese Sitte wurde wieder allgemeiner, und von ihm bis zur Einführung des Christenthums geht das sogenannte Hügelalter e).
Indessen zeigen mehrere Nachforschungen, daß nicht nur beyde Arten von Begräbnissen gleichzeitig statt fanden, sondern auch daß sie mitunter bey einer und derselben Bestattung einer Leiche vereint zur Anwendung kamen.
Man findet zuweilen in demselben Hügel das Gerippe des Verstorbenen und daneben eine Urne . Vielleicht verbrannte man nur das Herz und andere innere Theile, und setzte die Asche dann in einer Urne dem Leichnam bey, ein Gebrauch, der mehrerern Völkern eigen ist.
Ein solches Grabmal, in welchem das ausgestreckte Gerippe eines Todten und zugleich eine Urne von gebranntem Thon befindlich war, wurde vor einigen Jahren bey Pehm am Plöner See in Holstein aufgegraben. Ein anderes Beyspiel der Art führt J. Fr. Camerer in seinen Merkwürdigkeiten der Holsteinischen Gegenden, mit nachstehenden Worten an, die zur Erläuterung des Folgenden dienen mögen:
„Bey Beringstädt im Kirchspiel Schenefeld grub ein Bauer, um Sand und Steine zu holen, einen Grabhügel nach, der ungefähr12 Fuß hoch, 16 Schritt breit und mit 78 Steinen umsetzt war. Beym Umreissen dieses Hügels fand sich ein von Steinen aufgesetztes, 4 Fuß langes, 3 Fuß tiefes und 3 Fuß breites Grab, oben und unten mit einem Stein bewahrt. Die Steine waren roh, ohne Inschrift. In dem Grabe ruhte auf dem untersten Stein der Körper einer kleinen aber ausgewachsenen Person, völlig ausgestreckt, zerfiel aber bey der Oeffnung des Grabes. Auf dem Kopfe hatte diese Person einen Kranz von feinem Metall, um den Hals ein Halsband, aus ehernen Corallen, Ringen und dünnen Streifen bestehend. Beydes Kranz und Halsband waren vorn mit einem Haken verschlossen. Auf der Brust hieng oder lag ein Götze von feinem Metall, in den Händen wahrscheinlich eine Schaale tragend und sich, wie es scheint, in einen Fischschwanz endigend . Ungefähr 4 bis 6 Fuß von der Ruhestätte dieses Körpers stand eine Urne von gelblicher Farbe, die jedoch beym Ausgraben zerbrach. Darin lagen verschiedene Geräthe von demselben Metall." (S. die Abbildungen dieser Sachen an dem Werke selbst f).)
Da Hügel beyder Arten auch in deutschen Marschen gefunden worden g): so würde es nichts Auffallendes seyn, wenn man dieselbe Erfahrung auch in den hiesigen Marschgegenden bestätigt und in einem Grabhügel beyde Arten von Begräbnissen zugleich fände.
Was nun den Boiberg anlangt, so fragt sichs, ob man auch hier annehmen dürfe, daß die gefundenen Gerippe, Urnen und Geräthe sämmtlich aus jener frühen Vorzeit herrühren?
In Betreff der Gerippe mögte wohl schwerlich anzunehmen seyn, daß dieselben aus jenem Hügelalter, daß sie überhaupt aus dem Heidenthum abstammen.
Dagegen spricht schon die Lage, in welcher sie gefunden wurden. Unsre heidnischen Vorfahren pflegten ihre Verstorbenen so zu beerdigen, daß die Ueberreste derselben gegen den Zudrang der Luft und der Feuchtigkeit möglichst geschützt waren. Dieß allein machte es möglich, daß bis auf unsre Zeit die Gerippe unversehrt, die Urnen ganz erhalten wurden. Daher pflegt in den Begräbnissen, in welche man den Leichnam unverbrannt legte, derselbe in einer Art von Höhle zu liegen, die aus großen, roh gearbeiteten Granitblöcken errichtet, und über weiche ein Erdhügel aufgeworfen ist. Meistens bildet die Gruft ein längliches Grab, eine Art von steinernem Sarg, mit senkrechten Seitenwänden, oben durch flache Steine von bedeutender Größe gedeckt. Der darüber aufgeworfene Hügel ist häufig ganz mit kleinen Steinen durchschossen, welche ihm die Festigkeit einer Mauer geben, und oben auf dem Gipfel ragen nicht selten große Granitblöcke hervor, oder die Hügel sind damit in Kreis - oder Schneckenlinien umzogen.
In den Gräbern findet sich gewöhnlich nur ein Gerippe. Eine Ausnahme davon macht ein aus der Insel Alsen in Schleswig gefundenes Grab. Man entdeckte daselbst unter einem Hügel eine geräumige Höhle, an deren Wänden auf steinernen Bänken mehrere menschliche Gerippe lagen. Neben einem jeden fand man einige Waffen und andere Geräthe.
Es ist von Suhm, Hoyer und andern behauptet worden, daß die Einführung dieser Art von Begräbnissen und die Verdrängung des einfacheren Verbrennens der Leichname eine Folge von überhandnehmendem Luxus gewesen sey. So soll der König Dan den Beynamen Mikillati (der Prachtliebende) eben deshalb bekommen haben, weil er jene einfache Sitte des Othin verließ. Auch scheinen die Begräbnisse selbst daraus hinzudeuten, indem sie theils mir größerer Mühe und Sorgfalt erbaut sind, theils die in denselben enthaltenen Waffen und Geräthe von größerer Kunst zeugen, als die rohen, einfachen Gegenstände, welche neben den Aschenkrügen zu liegen pflegen. Ringe um Haupt und Hals, kleine Götzenbilder, künstlich gearbeitete Waffen und andere Instrumente finden sich öfter in dieser Art von Begräbnissen. Mehr oder weniger haben alle diese Grabmäler Aehnlichkeit mit dem von Camerer entdeckten, oben beschriebenen. Kurz die ganze Construction sowohl als der Inhalt derselben zeugen von größerem Aufwand.
Alle diese Unterscheidungszeichen jener Art von Grabstätten zeigen sich nicht bey der Lage, in welcher die menschlichen Gerippe im Boiberg gesunden sind. Statt eines Körpers fand man sieben bis acht; statt der reichen Ausstattung, welche den Leichen der beschriebenen Hügelgräber zu Theil ward, war diesen nichts an die Seite gelegt; statt gegen den Zudrang der Feuchtigkeit und anderer zerstörenden Einwirkungen geschützt, mit Steinen gedeckt und umgeben zu seyn, lagen sie dicht neben einander, ohne Spuren von Särgen, und nur vier bis fünf Fuß unter der Erde. Alles dieß zeigt hinlänglich. daß man diese Bestattung nicht zu der oben erwähnten Art rechnen darf.
Sie stammt vermuthlich, wie auch Herr von Thünen anzunehmen scheint, aus einer späteren uns näher stehenden Zeit.
Die Gerippe wurden, wie schon erwähnt, nahe unter der Erdoberfläche gefunden, ohne durch Steine oder Särge geschützt zu seyn, und ganz dicht eins neben dem andern. Sie waren also der Feuchtigkeit und andern zerstörenden Einwirkungen, so wie der Beschädigung beym Ausgraben, sehr ausgesetzt. Dennoch konnte man sie einzeln aufzählen, konnte die Richtung des Haupts nach Osten erkennen. Sie müssen also sämmtlich noch nicht zerfallen sondern wohl conservirt gewesen seyn, welches bey einem hohen Alterthum, zumal unter den Umständen, unter welchen man sie fand, nicht möglich gewesen wäre.
Auch die Richtung der Leichname von Westen nach Osten deutet auf eine christliche Zeit. Denn man findet bey den celtischen Grabhügeln immer die Richtung von Süden nach Norden beobachtet, während die Opferhügel der Länge nach von Westen nach Osten gerichtet sind h).
Bey welcher Veranlassung nun die gefundenen Gerippe an jene Stelle gekommen sind, das ist wohl schwerlich auszumitteln.
Ihre Lage so dicht neben einander und in derselben Richtung macht es wahrscheinlich, daß sie zu gleicher Zeit begraben sind, und theils deshalb, theils weil sie an ungeweihter Stätte lagen, muß man glauben, daß sie gewaltsamer Weise umgekommen sind. Hier kann nun die Veranlassung sehr verschieden seyn. War der Boiberg eine Richtstätte, wie Herr von Thünen annimmt, so sind es vielleicht die Körper hingerichteter Verbrecher. Vielleicht auch sind die Gefundenen im Kriege umgekommen.
(Der Schluß folgt.)

a) Eine kurze Critik dieser Schrift s. Göttinger gelehrte Anzeigen für 1824. May 1. im 70. und 71. St.
b) Scholz Entwurf einer Kirchengeschichte des Herzogth. Holstein. Schwerin und Wismar 791. I. Th. 2. Abschn. S. 36. ff.
c) Snoro Sturleson Chronico Menorrhagie. P. I. n. I.
d) Saxonis Grammatici hist. Daniae. L. V. ed. Klotz. Lips. 1771 Mallet Introduction à l'histoire de Danomark. Copenh. 1755. L. V. p. 212.
e) Suhm Geschichte Dänemarks. Hamb. 1816. S. 2.3. — A. Hoyern kurzgefaßte Dannemarkische Geschichte. Flensb. 1718. S. 11.
f) S. ferner die bey Christiani Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein, Th. I. S. 63. Note 14 — 19. citirten Schriftsteller, und Major bevölkertes Cimbrien. S. 38. ff. u. S. 42.
g) Wahrhaftige und kurze Verzeichniß des Ditmarscher Krieges von 1599. Straßburg 1619. b. Theodor Rihel s. v. Begräbnisse. — Freese Ostfrieß- und Harlingerland. I. B. S. 174— 177. Aurich 1796.
h) S. Scholz. l.c. S. 21 Arnkiel cymbrische Heiden-Religion B. I C. 6

 

In der Oldenburgischen Blättern Nr. 34 vom 21.08.1825 S. 269 wurde die Fortsetzung abgedruckt. Ein Autor ist nicht angegeben. Aus der dann in der 37. Ausgabe weiteren Folge zum Boiberg wird dieser Umstand aber aufgelöst.

Ueber den Boiberg.
(Beschluß.)

Am wahrscheinlichsten ist indessen die Vermuthung des Herrn Magister Braunsdorff, daß diese Gerippe, so wie die im Tralenser Warf gefundenen, zur Zeit der Wasserfluth von 1717. begraben sind, indem auch der Boiberg zum Kirchspiel Waddewarden gehört, und zu jener Zeit in den Kirchenbüchern von Waddewarden eine Menge Menschen aus diesem Kirchspiel als in der Wasserfluth umgekommen aufgeführt sind, während sich zugleich ergiebt, daß nur ein Theil davon auf dem Kirchhofe daselbst beygesetzt ist.
Was nun zweitens die gefundenen Urnen anbelangt, so ist zu bedauern, daß Herr von Thünen oder irgend ein anderer Sachverständiger nicht bey ihrer Auffindung zugegen war. Dieß würde zu bestimmteren Resultaten führen, während es jetzt zweifelhaft bleibt, ob diese Gefäße wirklich von der Art waren, wie man sie in den Grabmälern unsrer heidnischen Vorfahren findet.
Was Herr von Thünen darüber anführt, liefert noch keinen unbedingten Beweis, daß es wirklich solche Aschenkrüge waren. Allerdings scheint der Umstand dafür zu sprechen, daß dieselben in einem Hügel gefunden wurden, „welcher von kleinen und großen Steinen aufgesetzt war." Auch sind mehrmals in Marschgegenden dergleichen Urnen entdeckt, obgleich hier immer seltner als auf der Geest *). Indeß ist es eine Ausnahme von der Regel, daß sie ohne Deckstein und in umgestürzter Lage gefunden wurden. Auch waren keine Knochen darin, welches doch bey allen Aschenkrügen der Fall ist, da die Alten ihre Todten niemals ganz zu Asche verbrannten und in den Urnen jedesmal kleine Knochen, namentlich Fragmente menschlicher Hirnschaale befindlich sind. Hier, heißt es, waren nur „Spuren von Asche" sichtbar, auch erhellt nicht hinreichend, ob Form und Material dieser Gefäße gerade so gewesen sind, wie bey den Aschenkrügen.
Doch wollen wir ihre Abstammung aus dem Alterthum auch dahin gestellt seyn lassen, so können wir doch unmöglich annehmen, daß das Einschlagemesser und der hörnerne Kamm ebenfalls als Antiquitäten zu betrachten sind.
Schon oben ist bemerkt worden, daß man, neben den Urnen überall dieselben Waffen und Geräthe findet, welche zwar auf eine gewisse Cultur, aber doch nur auf einen sehr geringen Grad von Kunstfertigkeit deuten. Allerdings finden sich metallne, seltner eiserne Instrumente, und man muß von den ersteren annehmen, daß sie durch Handel oder Krieg den Römern abgewonnen sind, weil sich bey ihnen den Römern bekannte Formen finden, und dieselbe Composition, welche von ihnen aes genannt wurde. Aber man suche unter allen römischen Alterthümern nach und man wird gewiß keine Spur von einem Taschenmesser finden. Noch weniger läßt sich annehmen, daß dasselbe ein Kunstproduct unsrer ältesten Vorfahren sey. Wie viel Kunstfertigkeit setzt nicht schon ein Taschenmesser voraus: die Bearbeitung feinen Eisengeräths, die Verfertigung einer Feder, kurz alle die vielfachen Proceduren, welche die Ausarbeitung eines solchen Einschlagemessers erfordert. Unsre heidnischen Vorfahren übertrafen uns zwar durch Kraftanstrengung im Großen; aber im Kleinen hatten sie es, nach allen Ueberbleibseln ihrer Kunst zu urtheilen, nicht weit gebracht. Das Zierliche verschmähten sie, das zeigt schon die rohe Bearbeitung ihrer Urnen. Läßt sich neben diesen ein Instrument denken, welches nur für Arbeit im Kleinen und Feinen gemacht ist? Und überhaupt ist es zweifelhaft, ob die Fabrikation des Metalls ihnen bekannt war, und man muß vielmehr annehmen, daß die metallnen und eisernen Geräthe aus jener Zeit von andern Nationen erbeutet, und erhandelt wurden, daß sie eine Seltenheit blieben, während man sich im Lande allgemein der bekannten steinernen Waffen bediente, die man viel häufiger und neben den metallenen findet, obgleich ihre Verfertigung viel schwieriger, ihr Gebrauch viel weniger practisch ist.
Eben so wenig hat man, so viel bekannt, jemals hörnerne Kämme neben Urnen gefunden, obgleich die Bearbeitung des Horns leichter ist als die der Metalle und auch früher angenommen werden darf. Die Warfen scheinen von Alters her bewohnt gewesen zu seyn. Wie leicht ist es daher möglich, daß Kamm und Messer von späteren Bewohnern des Boiberges herrühren, daß sie von Arbeitern auf demselben verloren oder derelinquirt sind? Die Urnen lagen ohnehin nicht tief. Ist es nicht möglich, daß Kamm und Messer, der Erdoberfläche näher liegend, und dann mir Erde und Steinen aufgewühlt, erst beym Aufgraben in oder zwischen die Urnen geriethen?
Diese Betrachtungen scheinen genügend, um die Abstammung der Gerippe, des Kamms und Messers aus dem Alterthume zu verwerfen, die Antiquität der Urnen wenigstens in Zweifel zu ziehn.

*) S . Freese I. c. und die citirte Beschreibung des Dithmarscher Kriegs v . 1599.


In den Oldenburgischen Blättern Nr. 37 vom 12.09.1825 auf S. 289 wird deutlich, dass Christian Friedrich Strackerjan die Beschreibungen zum Boiberg veranlasst hat. Er war damals Oberamtmann in Jever. Ab 1833 wurde er an die Herzogliche öffentliche Bibliothek nach Oldenburg berufen und war dabei als Redakteur und später als Herausgeber der Oldenburgischen Blätter tätig.

Ueber den Boiberg.

Zufällig hörte ich, daß vor einigen Jahren bey Haddien Urnen ausgegraben worden. Dieß schien mir merkwürdig, da in der Marsch dergleichen Urnen wenigstens seltener sind, als auf der Geest, und da wir bisher alle Hügel in der Marsch für sogenannte Warfen gehalten haben. Ich ersuchte daher den Herrn von Thünen zu Canarienhausen, welcher in der Nahe von Haddien wohnt, deshalb Erkundigung einzuziehen, und mir das, was er erfahren könne, mitzutheilen. So entstand der im fünfzigsten Stücke dieser Blätter 1824. abgedruckte Aufsatz, der zwar ursprünglich für mich bestimmt war, dessen Abdruck aber Herr von Thünen auf mein Bitten erlaubte.
Da jedoch manches in diesem Aufsätze mir abweichend von dem erschien, was ich bisher über aufgegrabene Grabhügel gelesen, so theilte ich denselben einem hiesigen Freunde mit, von dem ich wußte, daß er sich mit dem Studium nordischer Alterthümer in seinen Nebenstunden beschäftige, und bat ihn, seine Bemerkungen darüber mir mitzutheilen. Er war so gefällig, solche niederzuschreiben, und gleichfalls auf mein Bitten zu gestatten, daß sie im 32. Stücke dieser Blätter von d. J. abgedruckt würden. Ohne mir ein Urtheil über die darin geäußerten Meinungen anzumaßen, wozu es mir ohnehin an hinlänglicher Bekanntschaft mit den nordischen Alterthümern fehlt, erlaube ich mir nun, auch meine Ansichten über den Boiberg (ich möchte lieber Bojberg schreiben) und die darin gefundenen Gegenstände auszusprechen.
Was den Namen des Hügels anlangt, so stimme ich der dem Aufsätze des Herrn von Thünen eingeschalteten Erklärung völlig bey. Diejenigen, welche die Namen mancher zwischen Jever und Hooksiel liegenden Oerter von dem ehemaligen Zustande dieses Landes vor der Bedeichung ableiten z. B. Waddewarden von Watt, Pakens von den gesteckten Baaken, Tünnen von den Seetonnen u. s. w. würden es vielleicht vorziehen, auch den Bojberg nach den Tonnenbojern zu benennen, allein ich muß gestehen, daß alle diese Ableitungen, so wie überhaupt die historischen Forschungen, welche sich auf Etymologie der Ortsbenennungen gründen, mir zu gesucht und unsicher scheinen. Eben so wenig glaube ich, daß der nachher als Richtstätte gebrauchte Hügel von den dort vielleicht angebrachten Fußblöcken oder Bojen a) den Namen erhalten. Die Benennung Boje (Junker) hat sich noch in den Namen Boyung und Boyke erhalten, wie es denn überhaupt die alten Friesen liebten, ihren Kindern solche Ehrentitel und Verwandtschaftsbenennungen als Taufnamen beyzulegen, z. B. Boyung, (Junker) Boyke (Junkerchen), Froike (Fräulein), Heere (Herr), Frowe (Frau), Frowke, (Frauchen), Oehm (Oheim), Oehmke (Oheimchen), Modder (Tante), Fedde (von Fetha, Vetter), Moike (Mühmchen), Broder (Bruder), Süster (Schwester), Brörken (Brüderchen) u. s. w. und so wie sie noch in dem englischen boy lebt, ist sie auch in dem Dithmarsischen Boyne nicht zu verkennen b).
Ich kann mir es nicht versagen, hier eine auf die Benennung Boye Bezug habende Anekdote aus dem Beninga c) mit seinen Worten, wenn auch nicht in seiner Sprache, zu erzählen.
Bekanntlich waren die ältesten Söhne der friesischen Häuptlinge, bey denen das Jüngerrecht die Erbfolge bestimmte, in dem Falle, worin sich in den übrigen Staaten die jüngsten Söhne befinden; sie mußten sich auf andere Weise ein standesmäßiges Auskommen zu verschaffen suchen. So war denn Occo, der älteste Sohn Keno's ten Brook, Häuptling zu Oldeborch und Brokmerland, (st. 1376.) nach mancherley Fahrten in die Dienste des Königs von Neapel gekommen. Als sein Bruder Jmel tom Broke noch in demselben Jahre seinem Vater im Tode folgte, und nur eine einzige Tochter Adda hinterließ, schrieben ihm seine Schwestern, Elborch, Gemahlin des Häuptlings Hajo Aielts zu Groß-Valdern, und Dode, Gemahlin des Häuptlings Edzard zu Greetsiel, er solle überkommen, um das väterliche Erbe wieder an sich zu bringen.Als sein Bruder Jmel tom Broks noch in demselben Jahre seinem Vater im Tode folgte, und nur eine einzige Tochter AddaAdda hinterließ, schrieben ihm seine Schwestern, Elborch, Gemahlin des Häuptlings Hajo Aielts zu Groß-Valdern, und Dode, Gemahlin des Häuptlings Edzard zu Greetsiel, er solle überkommen, um das väterliche Erbe wieder an sich zu bringen. Allein der König von Neapel war indeß gestorben, und die Königin (die berüchtigte Königin Johanna) hatte keine Lust, den rüstigen und treuen Friesen wieder von sich zu lassen.
„In diesem selbigen Jahre," schreibt nun Beninga, „wie hier vorgemeldet ist, daß nach Absterben Imels, des Sohns des alten Keno tom Broke, das Schreiben seiner Schwestern Elborch und Dode an ihren Bruder Occo in Neapolis nicht helfen wollte, und er, nach Absterben des Königs, von der Königin seine Entlassung nicht erhalten konnte, haben sich die beyden Schwestern in ihrem Friesischen Kleide und Schmuck auf die Reise nach dem Königreich Neapolis begeben. Als sie nun bey ihrem Bruder Occo sind gekommen, haben sie ihn mit allem Ernst und Fleiß angelangt, und ihn von allen Umständen in Frießland mündlich unterrichtet und verständigt. Als nun die Königin gehört hat, daß des gedachten Occo beyde Schwestern ans Frießland gekommen wären, um ihn zu holen, hat die Königin ein sonderliches Verlangen nach diesen Personen und dem fremden Schmuck ihrer Kleidung gehabt. Als nun genannter Occo seine beyden Schwestern zu der Königin geführt, haben sie nach bewiesener Ehrerbietigung bey der Königin sollicitirt, daß ihr Bruder möge mit ihnen nach Frießland ziehen. Welches ihnen anfangs nicht wollen glücken, daß ihre Bitte mochte erhört werden. Als nun die beyden Schwestern die große Zuneigung vermerket, welche die Königin zu ihrem Bruder hatte, haben sie einen Rath gehalten und haben ihren Bruder beredet, wieder mit ihnen in Frießland zu ziehen. Der Königin aber haben sie vorgeben lassen, daß ihr Bruder, bevor er aus Frießland gezogen, sich mit einer Jungfrau in Frießland versprochen. Als die Königin das gehört, ist sie sehr betrübt geworden, und hat die Farbe verändert, und hat die beyden Frauen gefragt, wie ihr Bruder in friesischer Sprache genannt werde. Sie haben der Königin darauf geantwortet, daß er ein Boying genannt werde. Als dieß die Königin gehört, und daß er schon in Frießland versprochen sey, hat sie ihn beurlaubet, und weil gedachter Occo bey ihrem Könige und auch hernach bey ihren Zeiten sich ehrlich gegen ihre Feinde betragen, hat sie ihn zum Ritter schlagen lassen, und ihn und seine Schwestern mir großen Geschenken begnadigt, und hat zum ewigen Gedächtniß und Andenken, silberne Münzen darauf schlagen lassen, und hat den Münzen seinen Namen gegeben, daß sie immer Boj' Ocken sollten genannt werden. Welche Münzen noch heutiges Tages in Neapolis und Italien gangbar sind."
Strackerjan. (Die Fortsetzung folgt.)

a) Brem . Nieders. Wörterbuch, s. v. Boje.
b) Heinrichs Nordfries. Chron. B. 3. C. 17. S. 400.
c) Chronik v. Ostvries'. p. 151.

LGLN-Kartenausschnitt Luftbild
Ungefähre Lage des ehemaligen Boiberges.
Die heutige Straße wurde um 1860 ausgebaut, vorher verlief der Weg von Canarienhausen nach Haddien.
Quelle: LGLN
Aktuelles Luftbild des Kartenausschnittes.
Quelle: LGLN

In den Oldenburgischen Blättern Nr. 38 vom 19.09.1825 auf S. 297 wird die Serie abgeschlossen.

Ueber den Boiberg.
(Schluß.)

Darnach hätte also die Italiänische Münze Bajocho ihren Namen von einem Friesischen Boje oder Junker, wenn die Sage wahr ist, die schon Emmius d) bezweifelt.
Doch ich kehre zu unserm Boj- oder Junkerberg zurück.
Mir scheint es, man müsse bey diesem Ueberbleibsel der Vorzeit zweyerley unterscheiden, erstlich den eigenthümlichen Bojberg und dann die kleinern, runden Hügel an der Westseite des ersteren.
Der größere Hügel ist mir am wenigsten merkwürdig. Es kann derselbe einer der uralten, von den Strand-Chauken zum Wohnplatz benutzten seyn, deren es noch so viele giebt, und als solcher zeichnet er sich nicht einmal durch seine innere Construction aus, worüber ich meine Ansicht in Nr. 23. dieser Blätter mitgetheilt habe. Es kann derselbe aber auch später von dem Boje von Haddien zu einem Richtplatz oder einem andern Zwecke aufgeführt seyn und dazu der schon Vorgefundene runde Begräbnißhügel Veranlassung gegeben haben.
Die darin gefundenen Gerippe gehören, wie auch in dem zweyten Aufsätze über den Bojberg gründlich gezeigt ist, offenbar nicht der Vorzeit an, sondern sind später dahin gekommen, am wahrscheinlichsten nach der Wasserfluth von 1717., oder auf eine andere Weise, welches näher zu untersuchen nicht die Mühe lohnen würde. Solche Gerippe fand man, wie schon angeführt ist, 1791. in dem Hügel bey Tralens e), und 1803. in Neuenburg f); auch im Jahre 1822. wurde mir auf der hiesigen Gast ein Schädel nebst einigen menschlichen Knochen gezeigt, den man beym Graben des Sandes zu der neuen Weganlage tief unter der Oberfläche gefunden hatte. Der Eindruck dieses Schädels von einem stumpfen Instrument bewies, daß er einst einem Erschlagenen gehörte, wahrscheinlich einem, in den alten Fehden mit Jever gefallenen Ostfriesen. Dieß gilt auch von den vor einigen Jahren zu Greetsiel gefundenen Gerippen g). Ich beschäftige mich daher blos mit dem erwähnten kleinen runden Hügel, und ich muß gestehen, daß ich denselben, was auch der Herr Verfasser des zweyten Aufsatzes dagegen gesagt hat, für einen wahren Grabhügel und die darin gefundenen Gefäße für wahre Todtenkrüge halte.
Daß solche Grabhügel in den Marschen gefunden werden, ist bereits eingeräumt, und was namentlich die von Freese a. a. O. erwähnten Fälle anlangt, scheint wenigstens der erste von Larrelt hier zum Beweise der Aechtheit der Urnen des Bojebergs dienen zu können, und will ich ihn daher etwas umständlicher beschreiben. „Indem," erzählt Funke h), „die Arbeiter geschäftig waren, Erde auszugraben zu einem neuen Hauptdeiche, funden sie hinter der Larrelter Mühle den 31. August (1720.) allerhand graue irdene Gefäße unter der Erden, davon einige ganz, viele zerstoßen herausgegraben wurden i). Da sie gelehrten Leuten zu Gesichte kamen, merketen sie fort, daß an dem Ort eine Begräbniß-Stelle der alten heidnischen Vorfahren, diese Gefäße aber Todten-Krüge (Urnen) wären, worin die Asche der verbrannten Leichname verwahrt worden. Der Herr Pastor des Orts, Jacobus Isebrandus Harken, ein besonderer Liebhaber der Antiquitäten, hat sich die Mühe genommen und einen von diesen Krügen untersuchet, was doch darin zu finden wäre, und hat darin gefunden einige Knochen, Korallen, Kupfer und rundgebackne Steinchen, welches mit einer fetten Erde, so vermuthlich die vergangene Menschen-Asche gewesen, bedecket war. Es ist dieser Krug nach Rheinländischer Maaße 9 Daumen hoch, 9 Daumen dick (wo nemlich die Ründe am dicksten) der Mund gleich durch 3 Daum und der Fuß davon eben so gemessen 4½ Daum gewesen. Die Form davon hat der Herr Ingenieur Sebast. Anemat abgezeichnet. Die Findung dieser Leichen- oder Todten-Krüge hat jetztgemeldeten Pastoris Bruder, den Herrn Isebrandum Eilardum Harkenroth, damals Pastoren zu Hinte, seine gelehrte Gedanken darüber zu eröffnen, und von den Urnis der Alten zu schreiben, veranlasset k)."
Hier ist also von Decksteinen gar nicht die Rede, nicht einmal von einer Umgebung mit Steinen, und doch sind diese Larrelter Gefäße wohl unbezweifelt Todtenkrüge. Warum sollten nicht die Strand-Chauken, dieser nach Plinius Schilderung so dürftige Volksstamm, die in ihrem Lande selbst keine Steine vorfanden, aus Noth den Schutzmitteln ihrer Begräbnißplätze entsagt haben? Sind doch selbst die kürzlich auf der Heide bey Kloster Loccum gefundenen Todtenkrüge nicht damit versehen l), und unsere Krüge können leicht eben solche Deckel gehabt haben, wie die dort gefundenen, welche im feuchten Marschboden verwittert sind. Noch erst kürzlich sind im Kirchspiel Sandel, beym Schlichten eines Heidfeldes, in einem kleinen Hügel Todtenkrüge gefunden und leider zerbrochen, welche eine solche Steindecke nicht hatten. Ueber diese letzteren hoffe ich, sobald meine Geschäfte mir nähere Nachforschungen gestalten, Mehreres mittheilen zu können.
Das Nichtvorhandenseyn der Knochenfragmente möchte auch kein Beweis für die Unächtheit seyn, da der Zustand, worin die Urnen gefunden worden, nemlich umgestürzt, beweiset, daß nicht das letzte Mal, wie die Ruhe dieser Todten gestört worden, auch das erste Mal gewesen sey, und also leicht der Inhalt der Töpfe schon längst verschüttet worden seyn kann.
Ich stelle mir nemlich vor, daß die Sage, feurige Geister hauseten auf dem Hügel, und ein feuriger Eber gehe dort um, mit dem Glauben Zusammenhänge, der in solchen Hügeln verborgene Schätze wähnte, welche durch die Geister der ehemaligen Eigenthümer gehütet oder durch den Herrn der Unterwelt in Gestalt grimmiger Thiere bewacht würden.
Bekanntlich gab es ehemals eine vollständige Schatzgräberkunst, die genau vorschrieb, wie man solchen Schätzen nachspüren, wie man die Hüter besänftigen (den Schatz lösen) sollte, und wie man sich seiner versichern könnte. Fest in dieser Kunst und gerüstet mit allen nötigen Waffen, zogen nun vielleicht einige kühne Geldsucher einst um Mitternacht mit heimlichem Schauder zum Bojberg. Ihre Beschwörungsformel war kräftig, denn kein Geist ließ sich sehen, kein Eber grunzte. Stillschweigend nahmen sie die deckende Erde ab, schafften die Steine auf die Seite, und o Wonne ! erblickten mehrere Töpfe. Womit anders konnten sie gefüllt seyn, als mit blankem Golde, denn Todtenkrüge kannte man damals noch nicht, wenigstens kann man die Kenntniß derselben nicht voraussetzen. Aber die Arbeit hatte Zeit weggenommen und das Ende der Mitternachtsstunde nahte, wo die verborgenen Schätze in den Abgrund zurücksinken, unwiederbringlich dem verloren, der sie herauf beschwor und nicht sie festzubannen versteht. Das wußten unsere glücklichen Schatzgräber, und sie kannten das Mittel des Bannes. Etwas, was sie an ihrem Leibe getragen, mußten sie auf den Schatz legen, und so riß der eine sich den Kamm aus den Haaren, der andere nahm sein Taschenmesser, vielleicht ein Erbmesser, und beyde warfen dies auf den Schatz. Vielleicht wandten sie noch andere gleich kräftige Mittel an, die freylich nicht gemacht sind, dem Zahn der Zeit zu widerstehen.s Nun deckten sie den Schatz wieder mit Erde und verließen mit gehöriger Vorsicht rücklings den Platz, voll Hoffnung, in der folgenden Nacht mit Reichthümern beladen heimzukehren. Die nächste Mitternachtsstunde schlug, und die Schatzgräber waren wieder an Ort und Stelle. Auch jetzt ließ die Beschwörungsformel sich wirksam finden, denn Niemand beunruhigte sie. Erwartungsvoll hoben sie die Erddecke weg, da standen die ersehnten Töpfe, der Macht der Unterirdischen glücklich entrückt. Begierig griffen sie hinein und ihre Hand ergriff — — Knochen und Asche. So hatte doch ein tückischer Geist der Unterwelt ihren Zauber zerstört, den Schatz verwandelt und ihre Hoffnung vernichtet! Unwillig stürzten sie die Töpfe um, verschütteten sie mit Erde und wagten es nicht, die den Unterirdischen verfallenen Pfänder zurückzunehmen. Kamm und Messer blieben in den Töpfen, um den Alterthumsforschern des zwanzigsten Jahrhunderts Zweifel zu erregen, die nicht entstanden wären, hätten nicht die geldgierigen Hände der Schatzgräber die Asche ihrer Väter durchwühlt.
Ich verlange nicht, daß man diese meine Phantasie als eine Erklärung annehme. Es können viele andere Erklärungsarten möglich seyn, aber unwahrscheinlich ist diese wenigstens nicht, und so lange sie das nicht ist, kann sie immer, als Vermuthung für die Aechtheit, der Vermuthung gegen dieselbe das Gleichgewicht halten.
Das Messer aber könnte dem ohngeachtet doch wohl ein Ueberbleibsel von dem geringen Geräthe unsrer heidnischen Vorfahren gewesen seyn, da nicht angegeben ist, daß es von Eisen oder Stahl gewesen. Wäre es nemlich von Metall gewesen, so haben wir wenigstens ein Beyspiel von einem andern, freylich nicht eingeschlagenen, Messer, dem man wohl das Alterthum nicht absprechen kann. Dieß wurde, wie Ahrends m) erzählt, vor einigen Jahren bey Uppenborg auf dem Untergründe des Moors gefunden. "Es war von Glockenmetall, 9½ Zoll lang, wovon 3 Zoll auf den Griff kommen, die Schneide 5/4 Zoll breit, 1/4 Zoll auf dem Rücken dick und ziemlich scharf, hinten mit einer kleinen Biegung, der Griff erst rund, dann viereckig und eingekerbt für den Griff, welcher aus Bein bestand, jedoch beym Aufnehmen gleich zerfiel. Das Messer ist noch im guten Stande, nur sind hin und wieder kleine, doch nicht durchgehende Löcher darin, wie von Würmern eingebohrt, auch hat die Schneide ziemlich viel kleine Scharten. Es ist auch eben nicht nöthig, sich das Taschenmesser so zierlich zu denken, wie unsere jetzigen mitunter sind. Haben wir doch noch jetzt Taschenmesser für drey oder vier Grote, welche eher rohe Producte der ältesten Kunst als unserer Zeit zu seyn scheinen. Ob die Römer Taschenmesser hatten, bezweifele ich freylich, wenn sie aber dieselben hatten, konnten sie eben so gut in unsere Gegenden kommen als Münzen und andere Gegenstände ihres Kuntstfleißes.
Eben so ist es nicht unmöglich, daß unsere Vorfahren, wenn sie auch selbst vielleicht keine Kämme hatten, dergleichen von Römern bekommen konnten. Hat man doch noch erst vor ganz kurzer Zeit bey dem Dorfe Famars in der Gegend von Valenciennes zwey elfenbeinerne Kämme gefunden, deren Alterthum, den Umständen nach, wohl nicht bestritten werden kann n).
Strackerjan.

d) Rer. Frisic. hist. L. 15. pr. Quaea ego ut damnare falsi simpliciter nolim, ita temere credere omnia sane non ausim. Ob dieser Zweifel des Emmius sich auf die ganze Geschichte, oder auf die Reise der beyden Schwestern, oder nur auf die Münze bezieht, ist nicht ganz deutlich. Vermuthlich nur auf die Münze; denn es ist gar kein Grund da, die übrige Geschichte für erdichtet zu halten. Die Etymologie der Münze ist aber ohne Zweifel ein, später hinzugefügter Einfall. Die Münze heißt nicht Bojocco, sondern Bajoocho, es ist keine Denkmünze, sondern eine cursirende Münze, keine silberne, wie Benninga schreibt, sondern eine kupferne: es ist ferner nie eine Neapolitanische gewesen, es ist vielmehr eine Päpstliche, die nirgends in Italien gilt, als im Kirchenstaat. (Ein Römischer Scudo, ungefähr 1oo Grote an Werth, hält 1o Paoli, und 1 Paolo 10 Bajocchi; ein Bajoccho hat also ungefähr den Werth eines hiesigen Grotens.) Möglich wäre es, daß der vierte Gemahl der Königin Johanna I., Otto von Braunschweig, vermählt 1376., Veranlassung zu der Sage gegeben hätte, indem man aus der Abreviatur Otto Brvc. durch einen Irrthum Occo ten Bruc machte. (A. d. H.)
e) Jeversche wöchentliche Anzeigen und Nachrichten 1791. Nr. 25. Jeversches Magazin Nr. 22. Jev. gemeinnützige Blätter Nr. 3.
f) Oldenb. Zeitschrift. B. 2. St. 2. Nr.6.
g) Ahrends Erdbeschreibung von Ostfriesland. S. 353.
h) Funks Ostfriesische Chronik. Th. 8. B. 19. §. 22.
i) Harkenroths Kersvloods Ontwerp. p. VII. sq
k) Isebrand. Eiland. Harkenroth Dias. epistolar. de Busto Lharlcdano.
l) Hannov . Magazin 1824. Nr. 1oo. u. 101.
m) Ahrends Erdbeschreibung von Ostfriesland. S. 543.
n) Litt. Conversationsblatt 1824. Nr. 266. S. 1064. a. n. Nr. 287. S. 1147. a.

 

3.Bericht OlbgLV
1881, 56 Jahre später, schildert Friedrich von Alten aus Oldenburg, Archäologe und Leiter der Großherzoglichen Sammlungen, in dem Bericht über die Tätikeit des Oldenburger Landesvereins für Altertumskunde, 3. Heft, über das weitere Schicksal des Boiberges.
Im Anhang des Heftes sind Tafeln mit Skizzen angebracht. Die zum Haddienbericht gehörige Tafel 2 wird unten wiedergegeben. Einzig eine Skizze (Nr. 45) aus Tafel 1 sowie der Lageplan aus Tafel 2 wird gesondert dargestellt.


Ausgrabungen bei Haddien im Jeverland.

In Jeverland, östlich von dem Kirchdorfe Wadderwarden, dessen schöne, mit behauenem Granit und Quadersandstein bekleidete Kirche St. Johannis nebst dem sehr merkwürdigen Taufstein, wohl eine besondere Betrachtung verdiente, liegt, tief in der Marsch, das Dorf Haddien, durch welches die Straße von Jever nach dem Hafenort Hooksiel führt.
Das Dorf Haddien, ehemals der Sitz eines Dynastengeschlechtes gleichen Namens, liegt auf einem ansehnlichen Wurp, in welchem beim Umgraben der Gärten nicht selten Scherben von Urnen, auch menschliche Gebeine gefunden wurden.
Dies Dorf ist in seiner Lage nach einer der äußersten alten Ansiedelungspunkte in den Marschen; etwa 2500 m östlich von Haddien finden sich die Reste des Pakenser Deiches, dessen Entsteheungszeit uns nicht bekannt 1), während die Namen der hart an demselben liegenden Ortschaften theilweise schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts erscheinen, als z.B. Wiarden; diese Ortschaften liegen übrigens gleichfalls auf Erhöhungen, sogenannten Wurpen, sind mithin wohl lange vor Anlage der Deiche entstanden. Der nächste, östlich vom Pakenser alten Deich 1100 m entfernte Deich ist 1571 erbaut, derselbe heißt jetzt Mitteldeich, weil noch weiter östlich, etwa 500 m der erst in diesem Jahrhundert erbaute eigentliche Seedeich liegt.

Die Annahme, daß die Wurpenlange vor der Erbauung der Deiche entstanden, bedarf kaum einer näheren Erörterung, doch möchte ich noch erwähnen, daß nicht alle Erhöhungen, welche diesen Namen führen, als künstliche erscheinen, manche dürften auf natürlichem Wege entstanden sein. Derjenige Hügel, um den ehemals mehrer von geringerem Umfange gelegen haben sollen, von dem hier des Näheren die Rede sein wird, ist aber bestimmt von Menschenhänden aufgeworfen. Er liegt zwischen dem Orte Waddewarden und Haddien, etwa 1000 m*) von letzterem entfernt, der alte Weg führt sorgsam um denselben, während die neu angelegte Straße den Hügel an seiner südlichen Seite durchschneidet.
Meines Erachtens war hier eine Stätte religiöser Verehrung und Gerichtsstätte, ich glaube dies einestheils aus der Benennung der Erhöhung Bauga-Barg, Ringstätte, schließen zu dürfen, anderntheils sind auch Ueberlieferungen auf uns gekommen, welche jene Ansicht noch deutlicher beurkunden.

Dem Volksglauben nach hausen nämlich feurige Geister auf jenem Hügel, zu Zeiten geht dort ein feuriger Eber um, im 16. Jahrhundert hielt man den Bauga-Barg für den Sammelplatz der Hexen. In neuerer Zeit, d.h. vor etwa 60 bis 80 Jahren, wollte man oft Flämmchen auf dem Hügel gesehen haben, hier also mußten Schätze vergraben sein. Bei nächtlicher Weile wurde dann auch danach geforscht, und sicher in Folge dessen, eine Anzahl von Urnen zertrümmert, wie dies noch 1822 oder 1823 geschehen. Damals begannen die ersten Abgrabungen, etwa 4 bis 5 Fuß wurden abgetragen, man fand Skelette, steinumsetzte Urnen, sowie einen Hügel von etwa 8 bis 10 Fuß Durchmesser, bestehend aus größerern und kleineren Kieselsteinen, in dieser steinlosen Gegend ein wohl zu beachtender Umstand, auch Bronce und Eisensachen wurden entdeckt, doch ist von alledem nichts erhalten. Eine Reihe von Jahren später wurden die Abgrabungen fortgesetzt, um etwa 5 bis 6 Fuß, auch bei dieser Gelegenheit sind Broncen und Urnen gefunden, erstere gingen als Kinderspielzeug unter, letztere wurden zertrümmert. Vor 6 Jahren ragte der Hügel noch etwa 5 bis 6 Fuß über die umliegenden Weiden empor, bei einer Ausdehnung von etwa 60 m von Süd zu Nord und 50 m von West zu Ost, jetzt (1881) ist er verschwunden.

Schucht-Karte

Der bereits weitgehend abgegrabene Boiberg um 1872.
Ausschnitt auder Tafel II

Im Frühling 1872 wurde mir die Mittheilung gemacht, daß mit dem gänzlichen Abfahren des Hügels wieder begonnen sei; sofort begab ich mich an Ort und Stelle, und fand bereits leider ein bedeutendes Stück ganz abgefahren, soweit es die punktierte Linie auf dem Plane Fig. 41 Taf. II angiebt. Mehrere der unten beschriebenen Gegenstände waren bereits gefunden, doch war die Örtlichkeit noch genau zu ermitteln. Es ergab sich aus diesen Ermittelungen, daß die Aschenkrüge sämmtlich auf den 33 bis 80 cm senkrecht von einander entfernten Kohlenschichten , in denen sich außerdem noch viele Scherben 2), Glasschlacken, Thierknochen und Hörner fanden, gestanden hatten, sie waren meist umgeben von einigen Steinchen, Glasschlacken, Hörnern, auch Kinnbacken von Schafen und Rindsvieh. Eine dieser Urnen stand auf die andere gestülpt, in beiden fanden sich Rinderknochen. Die Glascorallen und das unten beschriebene Metall-Conglomerat wurde auf gleicher Ebene mit den Skeletten entdeckt. Siehe das Kärtchen (Fig. 41 Taf. II) 1, 2, 3, 4.
Nachdem diese Verhältnisse klargestellt, begann ich die Ausgrabungen fortzusetzen, bald fand ich die bei D auf dem Plane angedeuteten Skelette, deren Länge die gewöhnliche Durchschnittsgröße nicht überstieg, eher dahinter zurückblieb, sie betrug durchschnittlich 169 cm. Zwischen ihnen fanden sich gleichfalls Scherben, aber kein Gefäß, wie es scheint, haben sich dieselben nicht ursprünglich dort befunden. Anderer bei demselben gefundenen Sachen ist unten gedacht.
Die Skelette lagen in zwei Reihen, etwa 12 Fuß von einander entfernt, und zwar in der Richtung von Südwest nach Nordost. Die Arme lagen flach neben dem Körper, ebenso die Beine nicht nicht gekreuzt, die Füße etwas nach einwärts gekehrt. Die Schädel aller Skelette, mit Ausnahme zweier, haben schwere Verletzungen, welche von stumpfen Instrumenten herzurühren scheinen, manche derselben waren gänzlich zerstrümmert. Bei einem derselben befand sich der Unterkiefer im Hinterkopf, dieser Schädel lag auf dem Beckenknochen eines Skelettes (2), welches in kauernder Stellung zwischen zwei anderen Skeletten bei D lag.
Schließlich nahm ich noch Veranlassung, den Klei an verschiedenen Stellen durchgraben zu lassen, bei dieser Gelegenheit stieß ich bei B etwa 25 cm Centimeter Tiefe auf eine Düngerstätte (reichlich 2 Meter tief unter dem höchsten Punkte des Hügels) in welcher das Schilf zwischen dem sehr harten, dunkelolovgrünen Dünger sehr wohl zu erkennen war. Die Stätte selbst erschien mit einer faserigen Borke verdeckt, was mich vermuthen läßt, daß der fest gestampfte Dünger 3) als Brennmaterial gedient haben mag, man suchte dies durch das Ueberdecken mit Borke gegen die Witterung zu schützen. In derselben Gegend etwas weiter seitwärts in die Tiefe gehend, aber nur um ein geringes, fand ich bei E nicht allein zahlreiche Muscheln der Mytilus edulis, sämmtlich aufgebrochen, sondern auch den Fuß eines sehr massiven, kleinen Thongefäßes, welches auf dem Bruch viele kleine Kieselstücke zeigt. Auch gespaltene Knochen und bearbeitetes Holz wurde hervorgezogen. Das umgebende Erdreich war Darg. Gehe ich jetzt zu der Beschreibung der einzelnen Fundstücke über, so habe ich wieder mit den Küchenabfällen zu beginnen. Das bereits erwähnte Holz besteht aus zugespitzten Pfälchen, von denen eins bis auf den inneren Kern, von etwa 4 mm Durchmesser völlig mit Kalk durchdrungen, so daß es klingend und als fast völlig fossil anzusehen ist. Dies Stück hat eine Länge von 16 cm, im Durchmesser von 22 mm nach unten sich verjüngend und in einer scharfen Spitze auslaufend, an denen sich die Anwendung von eisernen Instrumenten nicht erkennen läßt. Weiter fand sich eine Art hölzerner Messerchen, fast geformt wie unsere heutigen Austermesser, sie scheinen zum Oeffnen der Muscheln gedient zu haben (Fig. 42) und das Fragment eines Holzes, in welches ein Pflock eingetrieben, dasselbe könnte wohl von einem hölzernen, ausgehölten Gefäß herstammen. Die Knochen gehören sämmtlich dem Rindvieh und Schaf an wobei zu bemerken, daß beide Racen weit kleiner gewesen sein müssrn als die heutigen. Das unmittelbar auf dem Darg liegenden Erdreich ist Klei, woraus der ganze Hügel besteht. Diese ganze Schicht ist übersäet mit Knochenresten, sowohl menschlichen wie thierischern, besonders auch Pferdeknochen. Unmittelbar über der oben erwähnten ältesten Schicht fanden sich auch die Skelette, jedoch völlig in Klei eingeschlossen, so daß die Losarbeitung derselben nur mit großer Mühe, mittels kleiner Spaten und größeren Messern gelang. Es fand sich keine Spur von Holz oder stofflichen Gegenständen, aber in der Hüftgegend der etwa bei 1 und 3 (siehe Karte) angemerkten Skelette, zeigten sich Reste von total oxydirten eisernen Ringen, sehr wahrscheinlich Gürtel oder Wehrgehänge, außerdem fand sich um die Taille des Skelettes bei 3, ein dünner, hohler Bronzegürtel oder Reif, von 5 mm Duchmesser, dessen Innere mit Flachsfaser durchzogen. Nur durch die größte Sorgfalt gelang es, ein fingerlanges Stückchen davon zu retten. Bei einem anderen waren noch Spuren von einem eisernen Gürtel oder Wehrgehänge um die Hüften zu bemerken. Was die Schädel der Skelette angeht, so zeigten sich drei Langköpfe und ein Kurzkopf; einer der Langköpfe, von dem mittleren Skelette, ist wie es scheint durch einen schweren Schlag ganz zertrümmert.

Diese, sowie andere in der Großherz. Sammlung befindlichen Schädel sind von Professor Virchow untersucht und in seinen so wichtigen Arbeiten über ostfriesische und niederdeutsche Schädel, in den Monatsberichten und Abhandlungen der Berliner Akad. 1876 bereits völlig verwerthet.
In gleicher Höhe mit den Sleletten bei F (siehe Karte) wurde ein Haufen zusammengerosteter Metallstücke gefunden, etwa 30 bis 40 cm Duchmesser.
Skizze Pferderüstung
Fig. 45.
Bei meiner Ankunft fand ich diesen Haufen bereits von den Arbeitern zerstrümmert, dieselben hatten Schätze darin vermuthet.
Bei genauer Durchsicht und Reinigung der Stücke ergab es sich, daß dieselben aus Bruchstücken von Waffen, Rüstungsgegenständen und Schmucksachen bestanden, auch ein Wetzstein (Kunstproduct von bläulicher Farbe, anscheinend von Thon und Sand gemischt) fand sich. Sowohl metallisches Eisen wie Bronce ist vorhanden. Manche dieser Bruchstücke waren augenscheinlich eiserne Ringe gewesen, von denen einer 6 mm Durchmesser, mit sehr dünnen augelegten, in Parallelenkreisen laufenden Silberstreifchen verziert ist, jeder dieser Streifchen hat einen mm Durchmesser (Fig. 43). Andere Ringe zeigen desgleichen Spuren von ähnlichen Verzierungen, einige sind von Eisen und hohl gearbeitet. Der Durchmesser derselben wechselt zwischen 7 mm und 3 cm. Auch rechtwinklige Glieder (eiserne Bruchstücke), welche zu Wehrgehängen gedient haben können, kommen darin vor. Ferner eine eiserne Schnalle, von 4 cm Länge und 3½ Breite (Fig. 44). Besonders auffallend erscheinejn die, gleichfalls in demselben Conglomerate gefundenen Bruchstücke einer eisernen Rüstung, so schwer, daß man dieselben für Bruchstücke einer Pferderüstung halten sollte. Ihre Form ist gewellt (Fig. 45 Taf. I), auch scheint es, als ob die Ränder mit Parallelstrichen gravirt gewesen.
Viele dieser Gegenstände sind hohl gearbeitet, sie scheinen einem Pferdegebiß angehört zu haben. Einer der bereits erwähnten Wetzsteine (Diorit) von 8 mm Durchmesser, 7 cm Länge und 2½ cm oberer, und 6 mm unterer Breite, also fast dreieckig, lag zwischen denselben Bruchstücken, ein anderer, mit den nachstehend zu bemerkenden Glasperlen gefunden, verjüngt sich nach beiden Seiten.Länge 6 cm, Breite in der Mitte 1½ cm, an den Enden 8 bis 9 mm. In demselben Haufen fanden sich Eisenstücke verschiedener Länge, welche aneinandergepaßt die Form von kurzen eisernen Schwertern oder langen Dolchen geben (Fig. 46). Eines derselben hat jetzt noch die Länge von 44 cm bei einer Breite von 3 cm, das Zweite hat 22½ cm Länge und 2½ cm Breite, das Dritte 16 cm Länge und 3½ cm Breite. Alle drei sind in der Form, soweit es sich noch erkennen läßt, einander sehr ähnlich gewesen.
Am Perlen (A.a.d. Karte) wurden 42 Stück 4) gefunden, darunter 10 kleine von rothem Thon und eine größere, welche zu beiden Seiten etwas ausgeschweift und unten abgestumpft (Fig. 47) ist, dieselbe ist in ihrer Höhe durchbohrt. Andere sind vier- oder fünfeckig, etwa von 2 mm durchmesser und 1 cm Länge. Der Rest besteht aus Glasperlen, einige sind Indigoblau, andere erscheinen wie mit Schmelz, goldig und silbern schimmernd, überzogen, welcher sich bei Berührung leicht abschuppt, die meisten der Perlen sind zu drei bis vier Stück stabartig aneinander gereiht, ihr Durchmesser ist 4 bis 6 mm. Am meisten fallen diejenigen in die Augen, welche durch die Figur 71 Taf. IV *), als Band auseinander gelegt, wiedergegeben werden. Es ist augenscheinlich, daß dieselben in noch flüssigem Zustande zusammengebogen sind, wie die Näthe, wo sich die Wände treffen, deutlich zeigen, auch sind die Löcher in derselben nicht rund. Zu bemerken ist, saß ganz ähnliche Perlen bereits 1825 in der Gegend von Husum und Westrittrum, beides Dörfer zwischen Wildeshausen und Oldenburg, in Todtenhügeln (Hügelgräbern) im Sande gefunden sind, dieselben sind weit besser erhalten, besonders die hellen Farben 5). Die Farben gehen durch die ganze Fläche, erscheinen somit nicht aufeinander, sondern aneinander gelegt, wie bei einem Mosaik, aber doch verschmolzen. Diese musivischen Proben haben eine sehr große Aehnlichkeit mit denen, welche in Kertsch gefunden und gegenwärtig im Kais. Museum zu Petersburg in großen Mengen aufbewahrt werden.
An Broncesachen wurden in dieser Schicht gefunden: Eine Bronceringelchen (Fig. 48) von 1½ cm Durchmesser, verziert mit einigen vertieften Strichelchen, ferner das Bruchstück eines Celtes, Reste einiger Spangen oder Glieder (Fig. 49), sowie ein Haarzängelchen (Fig. 50). Außer diesen Dingen fanden sich an verschiedenen Stellen zwischen den Knochen, auch 14 Stück Damsteine, von denen 12 Stück verloren sind, dieselben sind aus dem Fesselgelenke eines Pferdes oder Rindes gearbeitet und zwar geschliffen. An der abgeplatteten Seite findet sich ein konisch eingearbeitetes Loch, dasselbe ist schief eigebohrt; Durchmesser desselben 4 mm, Höhe 2 cm, Durchschnitt an der Abplattung 3½ cm (Fig. 51).
In der dritten und jüngsten Schicht fanden sich die Aschenkrüge, in verschiedener Feinheit und Größe. Besonders muß der eine derselben unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.
Seine Höhe ist 315 mm, größte Breite 218 mm, Mündung 93 mm im Lichten, Halsenge 79 mm, Dicke der Wand an der Mündung 6 mm, Durchmesser des Fußes 98 mm.
Tafel 2
Tafel II
Die hinterlegte Grafik lässt sich mittels 'Grafik öffnen' oder 'Grafik abspeichern' erheblich vergrößert betrachten
Die Verzierung zeigt die Figur 52. Der Thon ist von hellgelblicher Farbe, wie unsere hellen Ziegelsteine, und zeigt keine Spur von kleinen Steinchen oder gestampften Granit, er ist sehr fein geschlemmt. Sein Inhalt besteht neben Kohlen, verkohlten Knochen u.s.w. aus vielerlei Eisenresten, Stücken von Waffen, Mieten und von meist unkenntlichen Gegenständen, mit Ausnahme des (Fig. 53) abgebildeten Messers, welches hohl gewesen sein kann, wenn nicht der Kern dem Verrosten raschen rascher ausgesetzt gewesen ist als die festere Umgebung. In einem der Bruchstücke, auf dem sich der Rest eines kittartigen, gestrichelten Ringes, auf der Oberfläche zeigt sich noch Kupferoxyd. In demselben Stück finden sich Blasen, welche verglast erscheinen. Die nächste Urne ist von sehr grobem Thon, auch sehr steinhaltig und völlig schwarz. Die Maaße sind folgende: Höhe etwa 200 mm, Breite 175 mm, Mündung abgebrochen. Fuß 106 mm, Dicke der Wand 12 mm. Sie enthält verbrannte Knochen, Glasschlacken und ein Eisenconglomerat, unkenntlich.
Die nächsten beiden Urnen (Fig. 54) waren aufeinander gestülpt, dieselben sind von grobem schwarzen Thon, stark mit Quarz gemischt. Der untere, äußere Theil der größeren erschein roth gebrannt, der obere ist schwarz, das Innere etwa heller. Die kleinere ist überall schwärzlich. in der größeren unteren, deren Maaße folgende: Höhe 147 mm, Breite 148 mm, Mündung 120/27 mm, Fuß abgerundet, Wanddicke 7 bis 10 mm, fand sich außer Knochen, Kohlen, verglaste Schlacken, ein Wetzstein von nahezu dreieckiger Form, wie bereits ein ähnliche erwähnt, ferner mehrere eiserne hohle (Dm. 4 mm) Ringe, wie auch ein solcher mit eckigen, 7 mm breiten Flächen und ein Dolchmesser, wie oben bereits beschrieben, aber etwas kleiner, und nicht nicht hohl. Auch das viereckige Glied (Eisen) eines Wehrgehänges wurde gefunden, sowie ein ovaler Ring.
Besonders beachtenswert scheint eine in der Mitte durchbohrte, kittartige, harte, kreisförmige Tafel (Zierscheibe), an deren Oberfläche sich bedeutende Spuren von Kupferoxyd zeigen. Die in Fig. 55 angedeuteten Verzierungen sind eingeritzt, und befinden sich nur auf der einen Seite. Die Dicke dieses Täfelchens, welches den Eindtuck des Knaufs, eines hohlen Schmuckgegenstandes macht, beträgt 10 mm. Die bereits erwähnte auf die größere gestülpte Urne, deren Maaße folgende: Höhe 90 mm, Breite 99 mm, Mündung 88 mm, Halsenge 85 mm (Fuß gerundet) enthielt neben einem Conglomerat von Knochen, Eisen und verglasten Schlacken, noch den Rest eines eisernen Ringes von 5 mm Durchmesser, 4¼ cm Länge und 2 cm Höhe, und den eines Kammes von Knochen, welcher im Feuer gewesen, auf dessen oberer Seitenfläche ein Eindruck und auch ein Loch für ein Stiftchen. Ein ähnlicher sehr schmaler Kamm wurde 1880 in einer Wurth bei Depenhausen im Amte jever nebst einem Schlittknochen und Pferdezähnen entdeckt. Ferner fanden sich noch vier aneinanderpassende Bruchstücke eines etwas gewölbten, rautenförmig gestrichelten Täfelchen (Fig. 56). Dasselbe besteht aus feingeschlämmten weißen Thon oder Kreide. Ebenso die Hälfte eines glatten, rautenförmigen Täfelchen von gleicher Substanz, in der Mitte hatte dasselbe ein Löchelchen, vielleicht um das Täfelchen als Amulet zu tragen.
Zwischen den unten liegenden Knöchelchen kamen noch zwei kleine Thonperlen zum Vorschein, von denen die eine sich durch ihr dunkeles Roth besonders auszeichnet.
Die letzte der Urnen von sehr losem, schwarzen Thon, enthielt nichts als Knochenreste. Die Arbeit ist roh, die Wandung sehr rauh, ihre Form ist schlank, mit nur sehr schwacher Ausbauchung, plattem Fuß von 10 cm Durchmesser, ihre Höhe beträgt etwa 21 cm, die Dicke der Wandung 1 cm, an anderen Stellen 1,2 cm. Unter der Masse der gefundenen Scherben zeigte keine einzige feinere Arbeit, oder Feinheit des Thones, alle Bruchflächen waren stark mit Kies (Quarz) durchsetzt, und erscheinen, besonders was die Henkel angeht, sehr schwerfällig gearbeitet. Nur auf zwei Scherben wurden Verzierungen gefunden, kreisförmige Striche um die Urne laufend, oder schräg gestrichelt.

1) Nach den Mittheilungen von Outhof, Verhaal van alle hoge Waterfloden, dürfte anzunehmen sein, daß Bedeichungen bereits um die Mitte des 7. Jahrhunderts ziemlich allgemein waren. Im Asega-Buch finden sich schon Andeutungen eines Deichrechtes. Von 1308 ist das älteste Deichrecht. Dat geheele Dijckrecht des Landes Salland. Ein Jahrhundert früher (1218) bestimmte der Landtag zu Upstallsboom, für alle sieben Seelande, daß nachbarliche Dorfschaften wegen dringender Gefahr vereint die gleiche Last der Herstellung des Seedeiches zu tragen hätten.
2) Wiederholt habe ich bei Ausgrabungen bemerkt, daß sich unter den Scherben viele fanden, welche Verzierungen trugen, geometrische Formen, ich mußte dabei an den Gebrauch indischer Völker (Pundjab) denken, welche noch heute, bei der Verbrennun g der Leichen ein irdenes Gefäß zerbrechen.
3) Noch heute wird Dünger als Brennmaterial in den Marschen hie und da benutzt.
4) Zwei lange und vier runde Perlen aus diesem Hügel befinden sich in der Alterthümersammmlung zu Emden.
5) Nach vom Hofrath Hausmann in Göttingen 1825 angestellten Untersuchungen ist das blause Glas durch Eisen gefärbt, das rothbraune und grüne durch Kupfer, das gelbe durch Spießglanz, das weiße durch Zinn, das gelbbraune sich in die Orangefarbe ziehende durch Kupfer, welchem vermuthlich Spießglanz zugeführt wurde.
Dieselben färbenden Bestandtheile hat man in römischen Glaspasten aufgefunden (siehe Oldbg. Blätter 1826, Nr. 8).

*) Die beschriebene Ortslage der Warft mit 1000 m Entfernung von Haddien stimmt nicht. Hier hat von Alten sicherlich die Strecke im alten Maßstab „Fuß" genommen. Verglichen mit der Lagebeschreibung von Salomon ergeben sich etwa 480 m westlich von Haddien. Das passt auch zu der Beschreibung von Fr. von Thünen: „zwischen Canarienhausen und Haddien". Die wechselnde Angabe von rheinländischem (31,39 cm) oder oldenburgischem (29,59 cm) Fuß und metrischen Angaben verwirren - im Jeverland wurden die metrischen Maße mit dem Gesetz vom 2.7.1869 eingeführt und gelten ausnahmslos ab dem 1.1.1872 (siehe auch Beilage Nr. 184 des Jev. Wochenblattes vom 21.11.1871). In Metern angegeben, hatte die Wurt einen Durchmesser von 60 m nord/süd, von 50 m ost/west und eine Höhe von etwa 5 m (14 - 17 Fuß).

Eine Tafel 4 gibt es in dieser Ausgabe nicht, auch keine Fig. 71 oder eine Fig. 50 in Tafel 2, die Bezeichnung Fig. 56 gibt es zweimal.
Einen nahezu wortgleichen Bericht hatte von Alten bereits 1874 im 'Archiv für Anthropologie' veröffentlicht (Erstaunlich ist, dass keine Frakturschrift, sondern die heutige Typografie und die jetzige 'neue' Rechtschreibung in dieser frühen Zeitschrift bereits vorgezogen wurde. Kein ß im ganzen Artikel). Leider werden die ausklappbaren Tafeln in der Digitalisierung nicht gesondert beachtet, so daß uns hier keine Vergleiche möglich sind.

Tafel 2
Der Goldfund von 1896
Aus: Geschichtswerkstatt, S. 244

Laut Sello (1928 S. 104) hat sich auch Woebcken in seinen 'Wanderfahrten' mit dem Boiberg befasst. Woebckens Ansicht nach stand auf diesem Hügel die Haddiener Burg. Diese wurde von Edo Wiemken überfallen und den Flammen ausgeliefert. Sello: „Spuren davon sind nicht gefunden, keine Ziegelsteine, kein Bauschutt, keine Brandreste, vielmehr standen, nach v. Altens Beschreibung, in der 'jüngsten Schicht' (also der Oberfläche nahe) eine Anzahl von Urnen mit Leichenbrandresten und Eisenfragmenten. Diese Urnen sind für 'friesisch' erklärt worden, ebenso die zahlreich gefundenen Gefäßscherben, 'deren jüngste noch bis etwa ins 5. Jh. n. Chr. reichen können' (J. Martin in Oldb. JB XVIII, 1910, S. 171; dort Taf. I, 1 ist auch eine der Urnen abgebildet)."

In der „Chronik. Die ehemalige Landgemeinde von Waddewarden mit Haddien", von der Geschichtswerkstatt Wangerland 2010 herausgegeben, wird auch auf den Boiberg und die dort gefundenen Gräbern hingewiesen. Besonders wird von einen Goldfund von 1896 berichtet, bestehend aus einer goldenen Halskette und goldenen Ohrringen (S. 244). Dieser Schmuck soll sich heute im Archäologischen Museum Hamburg (AMH) - bis 2009 als Helms-Museum benannt - befinden.
Das Funddatum irritiert, denn laut von Alten war ja schon 1881 der Berg völlig abgetragen und von weiteren Grabungen dort ist nichts bekannt. Salomon zum Goldfund: „Der Boiberg kommt als Fundort nach den Fundberichten über die gemachten Funde nicht in Betracht, eher Gärten auf der Warf. Nach Aussage heutiger Eingesessener wurde der Schatz zwischen Haddien und Mehringsburg gefunden - vielleicht am Fuß der Warf in dieser Richtung" (FN 135).

Zwar hatte der oldenburger Herzog Peter Friedrich zum 1. September 1820 in einem "Promemoria" Denkmäler des Altertums als zu erhalten vorgeschrieben. Dazu gehörten Grabhügel, in denen Urnen eingegraben sind (Sello 1893 S.10). Leider wurden darunter nach damaliger Kenntnis aber nur die Grabhügel der Oldenburgischen Geest verstanden. Obwohl bereits ein Jahr vorher Friedrich Arendsb) in ausführlicher Weise verschiedene Brunnengrabungen in Wurten schilderte und damit die Wurtenforschung (nahezu) begründete (Behre, Schmid S. 3). Die Hügel in den Marschen fanden trotz der schon bekannten Literatur (Sello 1983 S. 70 Nr. 64) keinen Eingang in diese frühen Denkmallisten.

Zum 1. Juni 1911 trat das Denkmalschutzgesetz für das Großherzogtum Oldenburg vom 18.5.1911 in Kraft. Darin werden schon in § 1 unter Bodendenkmäler Wurten, Burgwälle, Hügelgräber usw. ausdrücklich unter Schutz gestellt. Dieses Gesetz orientierte sich an dem ersten Denkmalschutzgesetz in Hessen von 1902. Ob es dazu Anlässe gab?

Über weitere Abgrabungen oder Beseitigungen von Wurten und historischen Bauwerken zum Schutz gegen Wasserfluten sind die Nachrichten spärlich.
Der schon erwähnte Arendsa) schildert 1819 in den Oldenburgischen Blättern von einer Warf des Hohenkircher Kirchspiels, der (damals 'der Warf') vor einigen Jahren abgetragen wurde, erst einen Haufen schwarzer Erde, demnächst weißlichen Thon und dann Sand bis zur Fläche des umliegenden Bodens, (dem Maifelde) welcher aus einer fruchtbaren Ackererde bestand, auf der man Asche von verbranntem Stroh, worin noch die Halmknoten zu erkennen waren, bearbeitetes Holz und Ziegelsteine fand, wovon einige schon so weit in ihrem vorigen Zustand wieder verfallen waren, daß sie eine breiartige Masse ausmachten (vielleicht ungebrannte Ziegel?) - Im Warf, worauf das Dorf Wiarden steht, traf man beim Brunnengraben, in einer Tiefe von 12 bis 14 Fuß, ebenfalls Viehmist an, und zwar in einen hölzernen Kasten, ähnlich den Grüppen in unsern jetzigen Viehställen, und bei Grabung eines andern Brunnens, in der untersten Tiefe, das Sprungbein und andere Knochen von einem Landthiere. Im Garten des Hrn. Lücken zu Tralens, wie solcher 1816 zu ungewöhnlicher Tiefe gegraben wurde, entdeckte man sogar eine regelmäßige Straße von Kieselsteinen.

Tafel 2
Nur noch die Färbung des Bewuchses in der Bildmitte weist auf die ehemalige Wurt von Schakelhave hin. © LGLN

Sello berichtet (1928 S. 314), dass die Wurt von Schakelhave im jeverschen Wiedel, die vormals eine Kapelle trug, um 1896 abgetragen wurde. Dabei wurden auch viele Menschenknochen gefunden. Heute liegen dort nur noch einige Bruchstücke von Findlingen
Im Zuge des Stadtausbaues von Wilhelmshaven sind seit 1860 einige Wurten beseitigt worden (Wulf). Ob solch eine Aufstellung auch für die anderen Marschgebiete vorliegt, ist mir nicht bekannt. Vielfach sind unbebaute Wurten durch die Bodenbearbeitung „auseinandergepflügt" worden, durch Graben- oder Straßenbau angegegraben worden. So sollen auch am jeverschen Woltersberg Teile abgegraben worden sein.
Für Ostfriesland wurden von Archäologen vereinzelt beseitigte unbebaute Wurten festgestellt, auch Abgrabungen an Burgenhügeln. Für das Rheiderland wurden kürzlich zwei abgegrabenen Wurten durch die Denkmalbehörde festgestellt.

A. Heinze berichtet 2022 von einigen im Bereich Utgast in Ostfriesland zum Düngen abgebauten Wurten.

Der beste Schutz für eine Wurt ist heute die vorhandene Bebauung - obwohl die heute erforderliche Technik mit Kläranlagen, Leitungsbau den Wurtenkörper nicht unbeschädigt lässt.

Eine Auswertung einer Datenbank zu Bodendenkmalen bei der Aufstellung des Regionalen Raumordenungsprogrammes um 2007 ergibt folgende Anzahlen von Wurten im Landkreis Friesland:
56 Dorfwurten, 391 Hofwurten, 23 Kirchwurten, 5 Langwurten sowie 39 weitere (unbebaute) Wurten.
Der Boiberg ist nicht dabei.

Ein aufmerksamer Abgleich des heutigen Bestandes mit der ersten topgraphischen Landesaufnahme von 1891 (z.B. bei navigator.friesland.de) könnte weitere verlorene Wurten aufzeigen. Es gibt noch viel zu erkunden.

Auf dieser Karte fallen die eingezeichneten Deichlinen auf, die in der Zeit von 1890 vorhanden waren. Auch wenn Deiche genauso wie Wurten historische Bauten gegen die Wasserfluten sind, so wird doch mit diesen Relikten anders umgegangen. Vielfach dienen sie als 'fester Grund' für Straßen und Wege oder sind als Material für neue Deichlinien gebraucht worden (z.B. die verschiedenen Ringdeiche um Oldorf). Trotz des Schutzes seit über 100 Jahren sind dennoch seinerzeit festgelegte Schutzobjekte beseitigt, einplaniert, zertrampelt oder stark vernachlässigt: als Beispiele Teile der Clevernser Sietwendung, die Sietwendung zwischen Wegshörne und Middoge.

Wurten erinnern uns an die mühevolle Arbeit unser Vorfahren in diesem Gebiet, wie sie das von der Nordsee wieder angeschwemmte Land nutzbar machten. Sie haben über Jahrhunderte mit ungeheurem Fleiß die heute bestehende Marsch aufbereitet - sehr viel mühevoller, nur mit Spaten und Karre, statt wie heute mit großen Maschinen und Baggern. Diese können in Sekunden zwar deren Werke zerstören, aber auch neue Deiche zum Schutz vor neuen Fluten schaffen.

Vielleicht brauchen wir die Wurten noch. Denn die Nordsee steigt unaufhörlich. Der Klimawandel und die abschmelzenden Gletscher und Eiskappen der Pole ergänzen diesen Anstieg. Da könnten die Wurten als „Brückentechnologie" bei nicht zu haltenden Deichlinien vielleicht noch einen Dienst erweisen.

 

Quellen:
Friedrich Arends, Ostfriesland und Jever in geographischer, statistischer und besonders landwirtschaftlicher Hinsicht. 1819a). S. 116, siehe hier bei Schripnest.
Friedrich Arends, Ueber die Warfen in der Jeverschen Marsch. In: Oldenburger Blätter 1819b), Heft 42, S 662.
Friedrich von Alten, Bericht über die Thätigkeit des Oldenburger Landesvereins für Altertumskunde und Landesgeschichte, 3. Heft, 1881.
Friedrich von Alten, Mitteilungen über in friesischen Landen des Herzogt. Oldenburg vorkommende Altertümer vorchristlicher Zeit.
      In Archiv für Anthropologie, digitalisiert auf https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=coo.31924069289977&seq=228.

Friedrich von Alten siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Kurd_von_Alten.
Magister Braunsdorf/ Bernhard Martens, Gesammelte Nachrichten zur geographischen Beschreibung der Herrschaft Jever. Siehe hier bei Schripnest.
Karl-Ernst Behre, Peter Schmid, Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung. 1998.
Karl-Ernst Behre, Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen. 2012.
Karl-Ernst Behre, Ostfriesland.Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedelung.2014.
Geschichtswerkstatt Wangerland, Chronik. Die ehemalige Landgemeinde von Waddewarden mit Haddien. 2010, S. 244.
Axel Heinze, Beispiele von Warftenabgrabungen für Düngezwecke in Ostfriesland.
     In: Marschenrat zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsse. Nachrichten 5/2022, S. 33-36.
Almuth Salomon, Führungsschichten im Jeverland. Oldenburger Forschungen, Neue Folge Band 19, S. 33 - 35, auch Fußnoten 130, 135 und 136.
Georg Sello, Bericht über die Thätigkeit des Oldenburger Landesvereins für Altertumskunde und Landesgeschichte, 7. Heft, 1893.
Georg Sello, Östringen und Rüstringen. 1928.
Friedrich-Wilhelm Wulf, Archäologische Denkmale in der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven 1996, S. 61 und folgende Auflistung.
Hegebeintum (NL) siehe https://www.terphegebeintum.nl.
Nachrichten für Stadt und Amt Elsfleth, 8. Juni 1872: Ein interessanter Fund wurde gestern in der Nähe von Waddewarden gemacht.
      Beim Abgraben eines Warfes nämlich, welcher sich zwischen Waddewarden und Haddien links an der Chaussee...."

Wilke Krüger gilt der Dank für die Besorgung der Quellen.

Volker Bleck, September 2023

 

Nachträglicher Fund in der örtlichen Presse:

Die Jeverischen Nachrichten vom 02. Juni 1872 berichten von der Grabung von Altens Ende Mai 1872. Der Name Boiberg wird dabei nicht genannt.
Nach der Aufzählung der Funde folgt ein Apell an die Leser:
"Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, unsere Mitbürger in Stadt und Land auf das in Oldenburg bestehende Alterthumscabinet hinzuweisen, welches in kurzer Zeit zu einer ansehnlichen Sammlung angewachsen ist..".

Es folgt der Aufruf an alle Gemeindevorsteher und Kirchenräthe, wertvolle Sachen diesem Cabinet zu überlassen. Auch die Landleute sollen bei Erdarbeiten über gefundene Reste aus der Vorzeit Anzeige machen.

JN_1872-06-02
Jeverische Nachrichten von 02. Juni 1972

 

 

Juni 2024