Die
Verfüllung der Blankgraft

1886 bis 1890 - eine Nachrichtenschau -

Bei der Auseinandersetzung um den Ersatz bzw. Nichtersatz des bisherigen Ahlershauses verwies eine Seite der Kontrahenten darauf, dass der Teil der dortigen ehemaligen Graft ja bereits verfüllt sei, eine andere forderte eine Wiedereröffnung wie zu der Zeit um 1845. Leserbriefe und Unterschriftensammlungen gegen politische und kommunale Beschlüsse. Aber sowohl bei den Realokraten wie auch den Illusionisten fehlten Hinweise, wie sich die bauliche Situation überhaupt in der langen Zeitspanne zwischen Entfestigung und heute entwickelt hat. Vielleicht wäre man sich dann ein wenig entgegengekommen. Für mich eine wichtige Frage, seit wann geschichtlich der Teil der Graft neben dem Frl.-Mariendenkmal als Marktplatz genutzt wird, konnte hier wie dort keiner richtig beantworten; Mutmaßungen. Die ausführliche Arbeit von M. Seeger gibt zu dieser Verfüllung keine Auskunft (SEEGER, S. 19). Also auf in die Bibliothek des Schlosses in die Zeitungsbestände. Aus Katasterkarten und dank Hinweisen ließ sich die Zeit eingrenzen und brachte als Ergebnis die folgende Nachrichtenschau.
Unerwartet kam Bekanntes zum Vorschein: Die Auseinandersetzung zwischen Für und Wider hat auch schon damals stattgefunden - vielleicht war die Streitkultur damals besser...
Die "Notwendigkeiten" sind geblieben: die Viehmärkte von damals sind heute PKW-Parkplätze....

Die folgenden Auszüge stammen aus dem Jeverschen Wochenblatt, damals vorwiegend für
amtlichen Verlautbarungen und Anzeigen, sowie den Jeverländischen Nachrichten aus dem gleichen Hause Mettcker. Letztere eher ein Magazin mit 'Correspondenzen', Fortsetzungsgeschichten und mehr.
Die Schreibweise der damaligen Zeit ist beibehalten.

Jeverländische Nachrichten vom 05. Dezember 1886

Zur Marktfrage.
In der Marktfrage, die schon seit einem Jahre die Gemüther unserer Bürger bewegt, ist in so fern eine Klärung gekommen, als durch gestrigen Beschluß des Stadtraths feststeht, daß der Markt auf seiner alten Stelle verbleiben und durch Erweiterung und einheitliche Pflasterung zweckentsprechend hergestellt werden soll. Nur darüber, wie die Erweiterung ins Werk gesetzt werden soll, gehen die Ansichten weit auseinander. Der eine Plan will die sog. Blankgraft zuwerfen und die Anlagen zwischen dieser und dem Gerichtsgebäude demoliren. Es ist unzweifelhaft, daß dadurch mehr wie hinreichend Platz gewonnen wird. Aber einestheils wird dadurch der Markt ein unschönes zerrissenes Ansehen bekommen, da das Haus von Freese und die katholische Kirche trennend und verunstaltend hineinragen, anderentheils ist es auch wohl mehr wie zweifelhaft, ob Seine Königl. Hoheit der Großherzog und die Staatsregierung, die über Demolirung der Anlagen gefragt werden müssen, Genehmigung zu einer solchen ertheilen werden. Auch scheint eine völlige Zuwerfung der Graft und Schaffung einer so langen unterirdischen Wasserleitung, die selbstverständlich nöthig sein würde, doch ihre großen Bedenken zu haben. - Ein anderer, von den vereinten landwirthschaftlichen Gesellschaften empfohlener Plan will das Haus von Freese ankaufen, den vorderen Theil der Graft zuwerfen und ebenfalls den vorderen Theil der Anlagen demoliren. Wenn dieser Plan dem Markte auch ein weit besseres Ansehen geben würde und somit weit eher zu empfehlen wäre, steht demselben doch entgegen, daß auch bei ihm schwerlich die Genehmigung zur Demolirung der Anlagen zu erreichen sein und daß ebenfalls eine lange unterirdische Wasserleitung geschaffen wird. Weit schöner und zweckentsprechender scheint dem Schreiber dieses nun zu sein, wenn das Haus von Freese und die Katholische Kirche entfernt, mit deren Bauschutt und anderer bei Planirung des Marktes sicher frei werdender Erde die Graft möglichst in ihrem oberen Theile verengt, aber nicht ganz zugeschüttet würde. Es würde dadurch ein freier schöner, fast viereckiger Marktplatz geschaffen, der der Stadt zur Zierde gereichen würde, und außerdem auch der ganze Weg von der katholischen Kirche bis zur Waage für Marktzwecke disponibel gemacht werden.
Der so geschaffene Marktplatz müßte seiner Meinung nach folgende Einrichtung haben: Zuerst müßten unbedingtdie beiden Zuwegungen von Westen nach Osten und von Süden nach Norden, die jetzigen Fahrstraßen frei bleiben. Das Vieh müßte seinen Stand auf dem freien Platze zwischen der Graft und der von Süden nach Norden führenden Straße haben und ebenfalls nach Osten von dieser Straße, wo jetzt die Klinkerbahn ist, in langen Reihen aufgebunden werden. Die Buden wären auf den Platz zwischen dem Hof von Oldenburg und dem Kriegerdenkmal zu verlegen. Der Schafmarkt käme in den Raum zwischen der katholischen Kirche und der Waage, die Töpferwaren in den ruhigen Winkel beim Gerichtsgebäude, die Holzwaren und der Gemüsemarkt in die breite Osterstraße. Dem Carroussel endlich und etwaigen anderen Buden könnte der alte Platz im Winkel beim Hause der Frau Wittwe Drost verbleiben. Es würde bei einer solchen Einrichtung noch Raum genug bleiben, um den Häusern am östlichen Ende des Marktes eine Zuwegung zu gestatten und vor den dortigen Wirthshäusern die Wagen unterzubringen.
Man wird bei diesem Plane nun allerdings mit Recht einräumen, daß der Platz, auf dem die katholische Kirche steht, nicht ohne Weiteres zu haben ist. Wenn man aber bedenkt, wie unschön und wenig zweckentsprechend die Kirche ist, und wie unpassend dieselbe steht, hält Schreiber dieses die Erwerbung des Grundstückes nicht für aussichtslos. Ist doch schon lange bei unsern katholischen Mitbürgern und sicher auch bei deren kirchlichen Obern der Wunsch rege, ein würdigeres Gotteshaus zu haben. Wenn unsere Stadt dem Bischofe einen andern schönen Platz zum Neubau eines Gotteshauses, etwa den Blumenplatz, offerirte, möchte möglicherweise wohl dieser Tausch angenommen werden. Gesetzt aber auch: der Platz der Kirche wäre vorerst nicht zu haben, so wäre dadurch nichts weiter verloren, als daß in den nächsten Jahren die Zuwegung zum demnächstigen Schafmarkte eine schlechtere ist.
Ist erst das Haus von Freese abgebrochen und der Markt einheitlich planirt und gepflastert, so ist der Stand und das Aussehen der katholischen Kirche ein derartiger, daß ihre Entfernung nur eine Frage der Zeit sein kann. Die Leitung der katholischen Kirche hat stets verstanden Geld zu schaffen, wenn der Bau eines Gotteshauses für ihre Gemeindeangehörigen eine Nothwendigkeit geworden ist. Ist die Kirche aber einmal entfernt, ist der Platz für Niemand anderes zu brauchen, als für die Stadt zur Erweiterung des Markts.
Bedingung für diesen Plan, wie aber auch für alle andern ist unbedingt, daß die Staatsregierung uns erlaubt, die Marktstättegelder soweit zu erhöhen, daß Capital und Zinsen in absehbarer Zeit abgetragen und nebenher die sonst nöthigen Ausgaben für Aufsicht und Reparaturen bestritten werden können. Ist dies nicht zu erreichen, wird freilich nur der Plan des Magistrats übrig bleiben, den Kramer-, Holz- und Töpfermarkt anderswo hin zu verlegen, so sehr zu bedauern dies auch sonst, namentlich für die betreffenden Verkäufer wäre.     J.

(Eingesandt.)
Jeversche Marktfrage. Die in Stadt und Land in der letzten Zeit so oft besprochene Marktfrage kam am Donnerstag in der vereinigten Sitzung des Magistrats und Stadtraths zur Beratung; da wegen Wichtigkeit der Sache aber nicht zu erwarten war, daß in dieser Sitzung ein fester Beschluß gefaßt werden konnte, so ist dieselbe doch insofern gefördert, als sich die verschiedenen Meinungen geklärt und eine Commission gewählt ist, welche die vorgelegten Pläne weiter prüfen und berathen soll. - In der Sache selbst waren sämmtliche Herren der Ansicht, daß unser Viehmarktplatz vergrößert resp. verbessert werden müßte, um den gerechten Ansprüchen der Landleute und Viehhändler zu entsprechen und den Verkehr in der Stadt dadurch noch mehr zu heben. - Durch Herrn Baurath Tenge waren dem Magistrat 3 verschiedenen Pläne nebst Kostenrechnung übergeben, und geht der eine Plan dahin, das Haus des Herrn Freese anzukaufen, die Blankgraft in der Länge des Hauses zuzuschütten und die Anlage in dieser Breite dazu zu nehmen. Durch diese Ausführung würde eine horizontale Lage des Marktplatzes geschaffen, ausgehend von der Hauptstraße und endend bei Amtsgerichtsgebäude. Nach dem speciellen Kostenanschlage, worin das Freese'sche Haus zu 18 800 Mk. berechnet, würde diese Ausführung 30 800 Mk. kosten. Durch Coulanz des Herrn Freese, der den Kaufpreis auf 15 000 Mk. heruntergesetzt, würde der Kostenpunkt sich aber nur auf 27 000 Mk. stellen. Der dadurch geschaffene freie Platz würde eine Zierde der Stadt bilden. Gegen die Ausführung dieses Planes wenden sich aber die berechtigten Einwendungen mehrerer Herren, die behaupten, daß der Marktplatz, der dadurch nur um 1600 qm  vergrößert, jedenfall zu klein bleiben würde; dieselben schlagen folgendes vor: Der städtische Graben wird bis zum Königsdamm zugeworfen, die Anlage in dieser Breite zugenommen, wodurch ein Platz geschaffen wird, auf welchem bequem 1000 Stück Vieh aufgestellt werden können. Den Freunden der Anlage will man dadurch gerecht werden, daß man die jetzige Promenade bestehen läßt, die vorhandenen Bäume möglichst erhält resp. durch neue Anpflanzungen zu 1 oder 3 Alleen ergänzt. Die Kosten hierfür würden sich jedoch bestimmt höher stellen, als bei dem ersten Plan, da nach dem Kostenanschlage des Herrn Baurath Tenge die Ausfüllung und Pflasterung der Blankgraft, die einen Flächenraum von 2430 qm liefert, 22 500 Mk. erfordert. - An die Ausführung des einen oder andern Planes kann aber nur gedacht werden, wenn 1. das Markstättengeld erhöht wird, wodurch die Einnahme sich voraussichtlich so stellt, daß die Verzinsung und Amotisation gesichert erscheint; 2. die Anlage ganz oder theilweise bis zum Königsdamm zu Marktzwecken zur Verfügung gestellt wird. Da wohl nicht daran zu zweifeln ist, daß die Regierung, gleich der Stadt Oldenburg, auch uns das Recht giebt, das Marktstättengeld zu erhöhen, wenn die Stadt durch finanzielle Opfer den Markt vergrößert und verbessert, so wird wohl nur die Genehmigung von Seiten der Regierung in Frage kommen, ob dieselbe gestattet, daß die Anlage zum Marktplatz verwendet werde. - Die bisherige Netto-Markteinnahme beträgt pro Jahr ca. 1500 bis 1800 Mk. Durch erhöhtes Stättegeld, durch Einführung von Füllenmärkten, durch die in Aussicht zu nehmende vermehrte Frequenz der Viehmärkte würde sich die Einnahme bedeutend vergrößern, und es dürfte somit das Bedenken jener Herren, welche eine Erhöhung der städtischen Abgaben befürchten, schwinden. - Hoffen wir, daß die Marktfrage zu aller Zufriedenheit erledigt werden möge!

Jeverländische Nachrichten 11. Dezember 1886

Zur Marktplatzfrage
Für die Vergrößerung unseres Viehmarktplatzes, deren Nothwendigkeit Jeder erkennt, sind verschiedene Vorschläge gemacht, unter welchen demjenigen der Vorzug gegeben ist, der die Blankgraft zur Vergrößerung benutzen will, nachdem sie zugedeicht ist. Gegen diesen Vorschlag erheben sich sehr ernste Bedenken, nicht deshalb allein, weil in vielen Häusern das Wasser daraus benutzt wird, sondern ganz besonders aus dem Grunde, weil das Wasser bei einer Feuersbrunst einen zu großen Werth für uns hätte.
Als hier vor Jahren die Thore abgebrochen und die Wälle in deren Nähe abgegraben und in die Graft geworfen wurden, kam man ernstlich auf die Idee, den ganzen Stadtgraben zuzudeichen. Man kam aber schnell davon zurück, als sich der unschätzbare Werth der nahen Graft bei einem Brande geltend machte, welcher in der Schlachtstraße ausbrach und die Georgische Apotheke und das Nachbarshaus in Asche legte.
Wir dürfen nicht vergessen, daß wir kein fließendes Wasser haben, auf unsere Brunnen uns nicht verlassen können und deshalb alle Ursache haben, das Wasser zu schonen, welches sich in den Graften ansammelt. Gesetzt, es käme, was Gott verhüten wolle, in der Waagestraße zu einer großen Feuersbrunst, wie würde uns da die Blankgraft fehlen? Die Frage ist für alle Brandcassen-Interessenten von Wichtigkeit.
Neben der Blankgraft sollen auch die Wall-Anlagen zur Vergrößerung des Marktplatzes herangezogen werden. Auch die Anlagen sollte man nur im äußersten Nothfall zerstören, denn das Publikum hält sie für werth und sie sind eine Zierde der Stadt. Ein Nothfall liegt aber doch wahrhaftig nicht vor. Man hat ja an der anderen Seite den wenig benutzten Fahrweg. Wenn der abgesperrt wird, so läßt sich hier viel Vieh aufstellen.
Aber wo in aller Welt soll all das liebe Vieh herkommen? Wenn man mit der zugedeichten Blankgraft schon 1000 Plätze gewonnen hat, so könnte man sich damit doch erst begnügen. Wenn man sich nur nicht von der zunehmenden Frequenz der Märkte eine zu übertriebene Vorstellung macht. Die Zunahme hat angefangen nach im Lande beendeten Chausseebau und mag jetzt wohl schon ihren Höhepunkt erreicht haben. Wegen der neuen Füllenmärkte brauchen wir den Marktplatz nicht zu vergrößern und daß das erhöhte Stättegeld die Frequenz heben soll, will nicht Jedem einleuchten, eher das Gegtheil.
Eine Hauptfrage bei der Vergrößerung des Marktplatzes ist natürlich die, ob das erhöhte Stättegeld zur Abtragung und Verzinsung der anzuleihenden Gelder ausreichen wird. Möglich ist es wohl, aber wahrscheinlich nicht; die Stadtcasse wird wohl Hülfe leisten müssen. Eine Ausgabe aber wird sie jedenfalls mehr haben, nämlich die der Kosten der Unterhaltung des alten Markts. Bisher konnten dazu und zur Pflasterung die Stättegelder verwandt werden, welches aber ja aufhören würde und einen Verlust von mindestens 1800 Mk. jährlich zur Folge hätte. Alle diese aufgezählten Bedenken fallen weg, wenn ein vierter Vorschlag Gehör findet. Er würde uns keinen Pfennig kosten und jeden Augenblick ausgeführt werden können. Es ist folgender:
Der Kostverlorenweg wird an den Marktstagen abgesperrt. Man gewinnt dadurch an der Osterstraße einen geräumigen Platz, der sich unmittelbar an den alten Markt anschließt. Man hat nun die Wahl, ob man diesen Platz zur Aufstellung des Viehes benutzen will, oder ob man den Kramermarkt hierhin verlegt, so daß der alte Markt von allen Buden gesäubert wäre. Letzteres wäre zwar umständlicher, böte aber den Vorzug, daß für alles aufzustellende Vieh ein in sich abgeschlossener Raum wäre. Die Budenaufstellung finge dann bei Bruns und Remmers Hause an und würde an Buck's Hause vorbei in der Osterstraße fortgesetzt. Bei Anweisung der Plätze wären natürlich die Oertlichkeiten zu berücksichtigen, so daß z.B. der Platz vor dem Adler frei bliebe. Die Trödler, welche mit einem Tisch ausstehen, Carroussel und Schaubuden fänden in der Gegend des Holzmarktes ihren Platz, Verkäufer vom Wagen herab, mit Buskohl, Obst etc. vorne in der Mühlenstraße. Es sieht schwieriger aus, wie es ist und würde manche Annehmlichkeiten bringen, namentlich aber zeigen, welchen ausgezeichneten Marktplatz wir für die Viehmärkte haben.
Soll die Straße für die Aufstellung des Viehes benutzt werden, so wird sie erst Raum genug bieten. Bedarf man mehr Platz, so nimmt man den natürlich erst zu pflasternden Kostverlorenweg dazu und ist auch der voll, so sind wir auf der Schlacht und hier finden wir wieder einen so großen Platz, daß wir ihn wohl nicht mehr voll kriegen. Wir haben wahrlich soviel zusammenhängenden Raum für unsere Viehmärkte, daß wir deshalb nicht bei der Blankgraft und den Wallanlagen anzuklopfen brauchen, für viel Geld.
Wenn wir diese Räume künftig in der angedeuteten Weise benutzen, so gewinnen wir damit: daß wir keine Anleihe zu machen brauchen, daß eine Erhöhung des Stättegeldes nicht erfoderlich ist, und daß die Stadt das Stättegeld behält, also im nächsten Jahr vielleicht schon 2000 Mk.
Es dürfte sich jedenfalls empfehlen, den Versuch zu machen und damit gleich im nächsten Jahre zu beginnen.   -a.

Jeversches Wochenblatt 12. März 1887

Worte und Thaten.

Der überwiegend freisinnige Stadtrath hat in seiner Mehrheit leichten Herzens und kurzer Hand den Entschluß gefaßt, die Stadt um eine ihrer Zierden zu beraubeb und dafür 27 000 Mk. zu verausgaben. Die früheren Warnungen eines verdienten hiesigen Bürgers, daß das Fehlen der Blankgraft bei einem etwaigen Brande sich einmal rächen könnte, der Rath es erst ein Jahr in anderer Weise zu versuchen, sind auf taube Ohren gerichtet gewesen. Man will tatsächlich, wie jener Warner sich ausdrückte, „27 000 Mk. ins Wasser werfen, damit die Jungens einen Spielplatz erhalten, auf dem sie Ball spielen können.” Man könnte noch hinzusetzen, es sollen 27 000 Mk. weggeben werden, um, entgegen dem Interesse der Stadt, einen Graben mit Sand zu füllen. Einsender will hier nur den Widerspruch nachweisen, in den sich die Freisinnigen der Stadt Jever zu ihren eigenen Grundsätzen stellen. Die Freisinnigen erklären, daß sie es nicht verantworten können, dem Volke unerschwingliche Steuern und Abgaben aufzuerlegen, sie würden deshalb die Militärvorlage ablehnen, die für die Stadt und Land Jever, das 24 000 (?) Einwohner hat, 9600 (?) Mk. Steuern bedeuten würde; die Herren sind aber bereit, 28 000 Mk. für einen ungleich weniger wichtigen Gegenstand auszugeben, die natürlich Jeverland und die Stadt Jever zu zahlen haben, Jeverland, indem es pro Stück zu verkaufenden Viehs besteuert wird, die Stadt Jever, indem sie um das Stättegeld kommt, das natürlich auf andere Weise gedeckt werden muß. Die Freisinnigen, die ja vielfach freisinnig aus withschaftlichen Grundsätzen sind, erklären sich gegen Zölle und beschließen gleichzeitig, jedes Stück Vieh zu versteuern, das zum Markte getrieben wird. Fürst Bismarck hat einmal gesagt, wenn die Fortschrittspartei am Ruder ist, wird eine ihrer ersten Maßnahmen die sein, daß sie Monopole einführt. Etwas Aehnliches sehen wir hier.   -g.-

Jeversches Wochenblatt 13. März 1887

Zur  Marktfrage
In letzter Nr. des Jeverschen Wochenblattes wird geschrieben, daß der überwiegend freisinnige Stadtrath den Beschluß gefaßt hat, unsere Stadt eines Theils der schönsten Zierde zu berauben. In letzterer Beziehung hat der Einsender nicht Unrecht, aber es ist doch keine politische Frage, daß der Artikel soviel mit Politik gewürzt werden muß, besser wäre gewesen, einen practischen Vorschlag zu machen, vielleicht würde in letzter Stunde der Stadtrath sich entschließen, darauf einzugehen. Wir glauben auch, daß es viel besser wäre, das Fookensche Haus und resp. die Katholische Kirche zu planiren, dann würde Platz genug da sein. Würde dann der  Marktverkehr noch mehr steigen, was vielleicht heute noch nicht anzunehmen ist, dann könnte auch noch später so weit der Graben zugeschüttet werden. Wenn dies geschieht, wird Jever noch ein schöneres Ansehen erhalten, was im anderen Falle nicht denkbar ist. Wir ersuchen einen überwiegend freisinnigen Stadtrath, dieses in Erwägung zu ziehen, denn haben wir die Anlagen verloren, bekommen wir sie nie wieder.
Mehrere Freisinnige.

Verbesserung des Viehmarktplatzes betreffend.
Der Stadtrath hat am 3. d. Mts. beschlossen, daß zur Erweiterung des Marktplatzes die Blankgraft in der Strecke von der Straße zum Amtsgericht bis zum Königsdamm zugeschüttet, die daneben liegende Wallpromenade und die Fahrstraße in derselben Länge planirt, die dadurch geschaffte Fläche mit Ausschluß einer anzulegenden Allee mit Klinkern in Hochkant gepflastert, zur Bestreitung der desf. Kosten die nach dem aufgemachten Kostenanschlage erforderliche Summe von 26 976 Mk. 60 Pfg. bewilligt und zur Herbeischaffung dieser Summe eine verzinsliche, mit 4 % jährlich zu amortisirende Anleihe aufgenommen werde -  Alles unter der Bedingung, daß das Stättegeld für jedes Stück Rindvieh bis dahin auf 30 Pfg. erhöht werde, bis die Anleihe getilgt sei.
Die Verhandlungen liegen vom 14. bis 28. d. M. in der Schenkwirthschaft auf dem Rathhause  aus und werden die Gemeindebürger aufgefordert, ihre Ansichten über diesen Beschluß abzugeben,
Jever, 1887 März 10.
Stadtmagistrat.
Dr. Büsing, Gerdes.


Flugblatt im Jeverschen Wochenblatt  März 1887

An den verehrlichen Stadtmagistrat hieselbst.
In Veranlassung der Bekanntmachung des Stadtmagistrats vom 10. d. M., durch welche die Gemeindebürger aufgefordert werden, ihre Ansicht über den Beschluß des Stadtraths vom 3. d. M, betr. Vergrößerung des Viehmarktplatzes, abzugeben, sehen sich die Unterzeichneten veranlaßt zu erklären, daß nach ihrer Ansicht dieser Beschluß, nach welchem ein Theil der Anlagen planirt und die daneben liegende Graft zugeworfen werden soll, den Interessen der Stadt nicht entspricht. Die Anlagen sind eine große Zierde für die Stadt und sollten ohne zwingende Gründe niemals eingeschränkt und zu anderen Zwecken verwandt werden. Solche Gründe liegen aber nach Ansicht der Unterzeichneten hier nicht vor, der beabsichtigte Zweck würde vielmehr auch auf andere Weise und ohne Schädigung der Anlagen zu erreichen sein. Darnach müssen müssen die Unterzeichneten sich entschieden gegen die Ausführung des gedachten Beschlusses, durch welchen die Stadt eines Theils ihres besten Schmuckes beraubt würde, hiermit erklären.
Jever, im März 1887.


Jeversches Wochenblatt 27. März September 1887

Notificationen.
Zur Marktplatzfrage.
Diese Frage wirbelt augenblicklich so viel Staub auf, daß es am Platze sein dürfte, auch einmal eine Meinung aus landwirtschaftlichen Kreisen über diese Sache zu hören. In der combinirten Versammlung der 4 landw. Abtheilungen des Jeverlandes in diesem Winter wurde beschlossen, beim Stadtrath zu beantragen, die Stadt Jever möge durch Zuschütten der Blankgraft, sowie Abholzen der Anlagen bis zum Königsdamm einen Marktplatz herstellen, der allen Ansprüchen an einen solchen genügen würde. Die Abtheilungen gaben diesem Project vor den beiden noch vorgelegten den Vorzug, erstens: weil dieser Platz auch einem vermehrten Vieh-Auftrieb noch genügen würde, ein Raummangel mithin nicht zu befürchten sei, sodann, weil auf dem bisherigen Platze alles andere an den Markt Gebrachte, wie Kleinvieh, Holzwaaren etc., ganz vorzüglich und ohne das bis jetzt übliche Gedränge aufgestellt werden könne, schließlich noch ein Platz zur Abhaltung von Füllenmärkten übrig bliebe, denen im vorigen Herbste bekanntlich ein solcher von wahrhaft beängstigender Enge eingeräumt war.
Diesen Antrag erhob sodann der Stadtrath lobenswerther Weise zum Beschluß und wir Landleute glaubten, uns eines schönen, für alle Besucher gleich günstigen Marktplatzes versichert halten zu dürfen. Seit einiger Zeit jedoch werden aus der Stadt Jever durch die Localpresse Stimmen laut, die obigen Beschluß des Stadtraths auf das Heftigste angreifen. Es heißt da immer: die Stadt wirft 27 000 Mark ins Wasser, die Stadt kommt um eine ihrer schönsten Zierden; ein Uneingeweihter könnte glauben, die Stadt Jever mache sich zu ihrem Privatvergnügen einen Marktplatz, von Jeverland ist nicht die Rede. Das Auge des Städters will sich an der Pracht der Blankgraft und der Anlagen ergötzen, der Bauer mag sehen, wo er mit seinem Vieh bleibt, die Erhöhung des Stättegeldes ist aber nicht übel. Sind denn wirklich der Interessen der Jeveraner im Jeverlande so wenige, daß nicht auch die Wünsche der Landleute in etwas berücksichtigt werden? Man sollte meinen, das Steigen und Fallen der Korn- und Viehpreise stände in sehr naher Beziehung zu Fluth und Ebbe in den Cassen der Städter, denn, wie Fürst Bismarck sagt: „Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt”, und nicht zuletzt die Jeveraner.
Also des Pudels Kern ist: der nervus rerum, der Geldpunkt, und die schönen Anlagen. Wer, wenn man fragen darf, meine Herren Jeveraner, bezahlt denn eigentlich die 27 000 Mark? Die Stadtcasse? O nein, denn die Landleute haben erklärt, sich eine Erhöhung des Stättegeldes um 10 Pfennigepro Haupt Vieh gefallen zu lassen, wenn die Stadt einen guten, geräumigen Marktplatz herstelle. Viele Wenig machen ein Viel, und ist es wohl außer Zweifel, daß die Zinsen der 27 000 Mark vollständig durch das erhöhte Stättegeld werden gedeckt werden. Die Kostenfrage ist also hinfällig, es blieben nur noch die schönen Anlagen, wenn man nicht etwa die „Wassersnoth” ernsthaft nehmen will. Um die Anlagen ist es uns allerdings auch leid, aber das Nützliche und Nothwendige ist häufig der Feind des Angenehmen, beides läßt sich hier nicht verbinden. Es ist kein Platz zu gewinnen, der auch nur annähernd die Vortheile böte wie dieser. Also Stadtrath bleibe hart.   M.

Jeversches Wochenblatt 1. September 1887

Vergrößerung des Viehmarktplatzes betreffend.
Der Stadtrath hat am 18. August d. J. beschlossen, daß das Freese'schen Erben gehörende Grundstück angekauft, das darauf stehende Haus abgebrochen, die hinter dem Grundstücke liegende blanke Graft in der ganzen Länge und Breite bis zum Königsdamm zugefüllt und die dadurch gewonnene Fläche durch Klinkerpflasterung mit dem jetzt vorhandenen Viehmarktplatze in Verbindung gebracht werde. -  Alles dieses indeß unter der Voraussetzung, daß der Ankaufspreis des Freese'schen Grundstücks die Summe von 12 000 Mk. nicht übersteige und daß das Stättegeld um die Hälfte erhöht werde. - Des weiteren wurde dann noch beschlossen, daß die zur Ausführung des Beschlusses erforderlichen Gelder bis zur Summe von 34 500 Mk. im Wege der Anleihe gegen möglichst niedrige Zinsen herbeizuschaffen seien und die Abtragung der Anleihe in der Weise zu geschehen habe, daß darauf alljährlich 1000 Mk. zurück zu zahlen seien.
Der Beschluß des Stadtraths liegt vom 2. bis 16. Septbr.d. J. in der Wirthsstube auf dem Rathhause öffentlich aus und werden die Gemeindebürger aufgefordert, ihre Ansichten über den Beschluß abzugeben.
Jever, 1887 August 29.
Stadtmagistrat.
Dr. Büsing.  Gerdes.


Flugblatt im Jeverschen Wochenblatt  März 1887


Zu dem Beschlusse des Stadtraths vom 27. October d. J.:
daß zum Zweck der Vergrößerung des Viehmarktplatzes das den Freese'schen Erben gehörende Grundstück für den geforderten Kaufpreis von 15 500 Mark angekauft, das darauf stehende Haus abgebrochen, die hinter dem Grundstücke liegende Blankgraft in der ganzen Länge und Breite bis zum Königsdamm zugefüllt und die dadurch gewonnene Fläche durch Klinkerpflasterung mit dem jetzt vorhandenen Viehmarktplatze in Verbindung gebracht werde - -  Alles dieses unter der Voraussetzung, daß das Stättegeld um die Hälfte erhöht werde, daß ferner die zur Ausführung des Beschlusses erforderlichen Gelder bis zur Summe von 38 000 Mark für Rechnung der Stadtcasse im Wege der Anleihe gegen möglichst niedrige Zinsen herbeizuschaffen seien und die Abtragung der Anleihe in der Weise zu geschehen habe, daß darauf alljährlich 1000 Mark zurückzuzahlen seien,
erklären die Unterzeichneten, daß sie diesen Beschluß für einen den Interessen der Stadt zuwider laufenden halten müssen. Ihrer Ansicht nach genügt der jetzt für Marktzwecke zur Verfügung stehende Raum, wie sich auch bei den letzten Märkten herausgestellt, dem Bedürfnisse vollständig und ist es daher durch nichts gerechtfertigt, die Stadt, deren Steuerlast ohnehin schon eine bedenkliche Höhe erreicht hat, zu einer neuen unnöthigen Ausgabe von 38 000 Mark zu veranlassen und dazu noch durch das Zuschütten der Graft nicht allein die der Stadt zur besonderen Zierde gereichenden Anlagen zu schädigen, sondern auch das bei Brandfällen zur Verfügung stehende Wasser in ganz erheblichem Maße zu verringern.
Die Unterzeichneten beantragen daher, den fraglichen Beschluß in 2. Lesung nicht zu wiederholen.
Jever, 1887 November.

Jeverländische Nachrichten 19. Januar 1889

Correspondenzen etc.

*Jever, 19. Janr. Auf den dem Großh. Staatsministerium unterbreiteten Beschluß des Stadtraths zu Jever, betr. Vergrößerung des Viehmarktplatzes, hat das Ministerium unterm 29. Decbr. 1888 Folgendes zurückverfügt:
1. Auf Grund einer vom Landphysicus vorgenommenen Prüfung kann das Staatsministerium in einer durch die Ausführung des Projects zu befürchtenden Verschlechterung der Brunnen einen genügenden Grund nicht finden, den Beschluß des Stadtraths zu beanstanden, es muß aber auf Grund der vorgenommenen Prüfung aus sanitätspolizeilichen Rücksichten für bedenklich erachtet werden, die in Frage stehende Vergrößerung des Marktplatzes zuzulassen, wenn nicht rechtzeitig Fürsorge dafür getroffen wird, daß eine Abwässerung des Marktplatzes nach der Blankgraft gänzlich vermieden wird. Da nun aus dem Stadtrathsbeschlusse nicht hervorgeht, wie die Abwässerung bei der neuen Anlage geregelt werden soll, so muß die Beanstandung des Beschlusses so lange
aufrechterhalten werden, bis ein specieller Plan vorgelegt sein wird, aus welchem im Einzelnen hervorgeht, wie die Abwässerung ohne Benutzung der Blankgraft geregelt werden soll. Anscheinend wird solches nur in der Weise geschehen können, daß der westlich der Fahrstraße gelegene Theil des Marktplatzes zu einer nach Ostern gleichmäßig geneigten Fläche eingeebnet wird, welche mit Klinkern zu pflastern, und mit Gossen oder unterirdischen Thonröhren zu versehen ist, die reichliche Spülung mit Wasser gestatten.
2. Die beantragte Genehmigung zur Zuschüttung des neben dem Freese'schen Grundstücke belegenen Theils der Blankgraft kann nach Höchster Bestimmung nur dann in Aussicht gestellt werden, wenn einerseits zunächst speciell angegeben sein wird, in welcher Weise die Verbindung der Schloßgraft mit dem übrigbleibenden Theil der Blankgraft und die Vorrichtungen zur Sicherung der Wallanlagen hergestellt werden sollen, und die desfälligen Vorschläge zu Bedenken keine Veranlassung geben, und wenn andererseits das ganze Project in einer solchen Weise zur Ausführung gebracht wird, daß dasselbe als eine wesentliche Verbesserung gegen den bisherigen Zustand angesehen werden kann. Dies wird aber nur dann der Fall sein, wenn auch die Pflasterung des noch nicht besteinten Marktplatzes östlich der Fahrbahn in Zusammenhang mit der Planirung westlich vorgenommen wird.
3. Die Frage, ob und event. unter welchen näheren Bestimmungen die Genehmigung dazu zu ertheilen ist, daß die zur Ausführung des Projects erforderlichen Mittel durch eine Anleihe beschafft werden, bedarf zur Zeit keiner Beantwortung. Hierüber wird erst dann entschieden werden können, wenn die nach Ziffer 1 und 2 dieser Verfügung jedenfalls zunächst noch erforderliche Aufstellung eines speciellen Planes und auf der Grundlage des letztern eines Kostenanschlags erfolgt sein wird. Erst dann wird auch zu erwägen sein, ob die Anleihe zu Lasten der Stadtcasse oder der Straßencasse aufzunehmen ist.
4. Eine Entscheidung über die beantragte Erhöhung des Stättegeldes ist zur Zeit noch nicht erforderlich. Es empfiehlt sich jedoch, die in dem nachträglichen Berichte des Stadtmagistrats vom 22. October dieses Jahres gemachten Angaben über die in den letzten Jahren aus den Märkten erwachsenen Eingaben und Ausgaben schon jetzt dem Stadtrath mitzutheilen, da nach den gemachten Angaben die Zulässigkeit der beantragten Erhöhung des Stättegeldes im Hinblick auf die Bestimmungen im Art. 46 § 2 der rev. Gem.-O. anscheinend nicht ohne Zweifel ist.
5. Im Uebrigen giebt der Beschluß des Stadtraths, nach welchem eine Commission von geeigneten Männern vom Stadtrath zu wählen ist, welche in Gemeinschaft mit dem Stadtmagistrat das Project ausführen läßt, dem Staatministerium noch zu der Bemerkung Veranlassung, daß für die Bildung und Zuständigkeit einer solchen Commission die Bestimmungen im Art. 37 der rev. Gem.-Ordnung werden maßgebend sein müssen.

Jeverländische Nachrichten 3. Februar 1889

Correspondenzen etc.
Jever, 2. Februar. Am 31. Januar hat der Stadtrath das am Blankgraben belegene, früher Freese'sche Haus für 15 500 Mark angekauft.

Jeversches Wochenblatt 3. März 1889

Der Stadtrath hat am 21. Februar d. J. beschlossen:

1. Zum Zwecke der nothwendigen Vergrößerung und Verbesserung des hiesigen Viehmarktplatzes ist das z. Zt. von dem Banquier Fooken bewohnte vormahls Freese'sche Grundsück zum Antritt auf den 1. Mai d. J. für die alsdann fällige Kaufsumme von 15 500 Mark anzukaufen und zwar für Rechnung der Stadtcasse, event. wenn dies nicht zulässig, für Rechnung der Straßencasse.
2. Das zur Bezahlung der Kaufgelder nebst den auf 300 Mark zu veranschlagenden Kosten erforderliche Capital, insgesamt 15 800 Mark, wird durch eine für Rechnung der Stadtcasse event. der Straßencasse zu möglichst niedrigen Zinsen zu contrahirende Anleihe herbeigeschafft. Die Anleihe ist in 15 Jahren in gleichen jährlichen Raten zu amortisiren und sind zur Zahlung der Zinsen und der Amortisationsbeträge die etwaigen Ueberschüsse der Marktstättegelder zunächst zu verwenden.
Dieser Beschluß nebst den vom Stadtrath hiefür angeführten Gründen liegt vom 4. bis 18. März d. J. in der Wirthsstube des Rathhauses öffentlich aus. Die Gemeindebürger werden aufgefordert, Ihre Ansichten über diesesn Beschluß abzugeben.
Jever, 1889, Februar 28.
Stadtmagistrat
Dr. Büsing, Gerdes

Jeversches Wochenblatt 6. April 1889

Der Stadtrath hieselbst hat am 28. März d. J. beschlossen,daß zur Vergrößerung und Verbesserung des hiesigen Viehmarktplatzes das an der Blankgraft belegene vormals Freese'sche Haus anzukaufen und abzubrechen, die Blankgraft bis zur Fortsetzung der nördlichen Grenze dieses Grundstücks verfüllt, der jetzige Viehmarktplatz, die zugefüllte Graft und die Straße vom alten Markt nach dem Amtsgerichte nach einer wie 1:50 geneigten Ebene planirt werde, welche sich an die Höhenlage an der Westseite der Straße auf dem alten Markte und an das westliche Ufer der Graft anschließt. Die auf 38 000 Mark veranschlagten Kosten einschließlich der Kosten der Pflasterung des neuen Viehmarktplatzes mit Klinkern, Lieferung der Richel mit Quadern, Herstellung der Abwässerungsanlagen u.s.w. sollen zu möglichst niedrigen Zinsen für Rechnung der Stadtcasse angeliehen und in 25 Jahren in jährlichen Raten amortisirt werden. Der Stadtrath hat ferner beschlossen, an das Staatsministerium die Bitte um Erhöhung des Stättegeldes von 20 auf 30 Pfg. für jedes an den Markt gebrachte Stück Rindvieh zu richten.
Dieser Beschluß nebst Kostenanschlag, Zeichnungen und Begründungen liegt vom 8. bis 22. d. M. in der Wirthsstube des Rathhauses öffentlich aus und werden die Gemeindebürger aufgefordert zur Abgabe ihrer Ansichten über denselben.
Jever, 1889 April 4.
Stadtmagistrat
Dr. Büsing, Gerdes

Jeversches Wochenblatt 16. Mai 1889

Submission
Das von der Stadt Jever angekaufte, vormals Freese'sche Haus am alten Markt hieselbst soll zum Abbruch verkauft, bzw. der Abbruch desselben vergeben werden.
Die speciellen Bedingungen liegen in der Registratur des Rathhauses aus und sind Offerten daselbst bis zum 23. d. M., Mittags 12 Uhr, abzugeben.
Jever, 14. Mai 1889.
Die Commission.
N.d.:
Aug. Müller, Rathsherr.

Jeverländische Nachrichten 2. Juni1889

Correspondenzen etc.

Jever, 1. Juni.
- Das wegen der Marktplatzvergrößerung zum Abbruch bestimmte Freese'sche Haus ist nicht verkauft worden, da die eingegangene, auf etwa 1000 Mark lautende Offerte für ungenügend erachtet wurde. Der Abbruch ist dem Zimmermann Ahlft in Cleverns für 425 Mk. übertragen und werden die Materialien, soweit solche nicht zu Erneuerungsarbeiten an der früheren Festungsstrafanstalt bestimmt sind, am 5. d. von städtischer Seite verkauft werden.


Jeversches Wochenblatt 2. Juni 1889

Vergantungen.
Verkauf.
Für Rechnung der Stadtcasse sollen in dem vormals Freese'schen Hause am alten Markt hieselbst am Mittwoch, den 5. Juni d. J., Nachmittags präcise 5 Uhr, meistbietend gegen sofortige baare Zahlung verkauft werden: 2 schöne große Schaufenster 2,40 m hoch und 1,55 m breit, mit Jalousien, außerdem verschiedene andere gut erhaltenen Fenster mit Rahmen, 1 großer fast neuer weißer Kachelofen, mehrere eiserne Oefen, 1 kl. Kochherd, sowie ca. 40 m Dachrinnen von Zink.
Jever, 1. Juni 1889.
Für die Commission Aug. Müller, Rathsherr.


Jeversches Wochenblatt 15. Juni 1889

Am Sonnabend, den 15. Juni  d. J., Nachmittags 4 Uhr,
Jeversches Wochenblatt 1. September 1887
sollen auf dem alten Markte hieselbst von dem abgebrochenen ehemals Freese'schen Hause ca. 4000 noch sehr gute Dachpfannen, mehrere Bockpfannen, eiserne Dachfenster, Glaspfannen, alte Fenster, Sparren, Latten, Bretter, Raufen und Krippen, Hühnerkasten, alte Thüren und Brennholz usw. öffenlicht gegen baare Zahlung für Rechnung der Stadtcasse verkauft werden.
Jever, 12. Juni 1889.
Stadtmagistrat.
Dr. Büsing


Jeversches Wochenblatt 22. Juni 1889

Sitzung des Stadtraths
am 27. Juni d. J., Nachmittags 5 Uhr, auf dem Rathhause.
Tagesordnung:

1. Verbesserung des Turnplatzes betr.
2. Den von Drost Erben erhobenen Eigenthumsanspruch an den neben ihrem Hause am alten Markt belegenen freien Platz betr.
3. Die unterirdische Ableitung des Wasserzuges Nr. 1 betr.
4. Antrag um Bewilligung von 77 Mk. 15 Pfg. zur Umlegung von Wanderungen in der Wangerstraße betr.
5. Antrag um Bewilligung von 20 Mk. zur Ausbesserung des Gitters beim Schlosserdenkmal.
6. Antrag um unentgeltliche Hergabe von Material aus dem abgebrochen Freese'schen Hause zu dem Bau eines Hauses für die Gemeindeschwester.
Jever, 1889 Juni 17.

Albers.


Jeversches Wochenblatt 29. Juni 1889

Am Sonnabend, den 29. Juni d. J.,
Nachmittags 5 Uhr anfangend, sollen auf dem alten Markte hieselbst von dem ehemals Freese'schen Hause: 11 Stubenthüren mit Rahmen und Beschag, sehr gutes Bodenholz, Balken, Clospenthüren, ein großes Einfahrsthor, mehrere Grausteine öffentlich gegen baare Zahlung verkauft werden.
Jever, 26. Juni 1889.
Stadtmagistrat
Dr. Büsing, Gerdes.

Jeversches Wochenblatt 4. Juli 1889

Vergantungen.
Steine-Verkauf
Am nächsten Sonnabend, den 6. d. M., Nachmittags 4 Uhr anfangend, sollen auf dem alten Markte hieselbst beim früher Freese'schen Hause 40- bis 50 000 Steine bei passenden Abtheilungen auf Zahlungsfrist öffentlich verkauft werden. Kaufliebhaber werden eingeladen
Jever, 1. Juli 1889.
D. Cohen, Auctionator.

Jeverländische Nachrichten 21. August 1889

Correspondenzen etc.
-  Der „O. Z.” wird von hier geschrieben: Die ministerielle Entscheidung in Bezug auf die Vergrößerung unseres Viehmarktplatzes ist in diesen Tagen hier eingetroffen. Leider schließt dieselbe immer noch nicht die volle Genehmigung zur Ausführung der projectirten Arbeiten in sich. Wie wir hören, soll der hiesige Magistrat noch über mehrere Punkte sich eingehend äußern, u. a. über den demnächstigen Abfluß des jetzt in die Blankgraft fließenden Wassers, über die genaue Grenze zwischen den städtischen Anlagen und des späteren Marktplatzes, die Freilassung der Zugänge zu den amtlichen Gebäuden an den Markttagen usw. An eine Fertigstellung der Arbeiten zur Vergrößerung des Marktplatzes dürfte unter solchen Umständen nicht mehr zu denken sein. Im Uebrigen rechnet man für diesen Herbst auch nicht auf eine allzustarke Beschickung der hiesigen Viehmärkte mit Vieh, da augenblicklich gutes, namentlich hochtragendes Vieh in hiesiger Gegend außerordentlich stark begehrt ist und Händler fortwährend das Land durchziehen, um solches schon auf der Weide bezw. vom Stalle aufzukaufen.

Jeversches Wochenblatt 10. Oktober 1889

Unverbürgte Nachrichten.
Der Platz des früher Freese'schen Hauses soll geebnet oder zur Sicherheit der Passanten umriechelt oder mit Straßenlaternen umgeben und der Fußpfad nach dem Schützenhofe bei B. Meyer's Hause, der nach jedem Regen unter Wasser steht, aufgenommen und höher gelegt werden; ferner sollen auf den Straßen in der Nacht keine Wagen etc. ohne Licht daran stehen, die Straßenlaternen bessere Flammen, solche, die den Flammen unserer Tischlampen nicht mehr nachstehen, sondern vorleuchten, und stets rein abgewischte Scheiben haben, endlich die Anlagen geschont, alle Beschädigungen, auch die durch Hühner und Hunde verursachten, möglichst bestraft werden.

Jeversches Wochenblatt 22. Oktober1889

Ausverdingung.
Die Herstellung eines Dammes in der Blankgraft durch Einkarren von ca. 100 cbm Schutt und Erde, sowie die theilweise Erneuerung und Verlegung der Treppe zur Blankgraft soll am Mittwoch, den 23. d. M., Nachmittags um 14 Uhr, an Ort und Stelle ausverdungen werden.
Jever, den 21. October 1889.
Die Commission.

Jeversches Wochenblatt 12. November 1889

 Die Mauerarbeiten zur Erbauung einer Höhle in dem theilweise zugeschütteten Blankgraben sollen in Submission vergeben werden. Annehmer hierzu wollen ihre geschlossenen Offerten gegen den 15. d. M. bei Herrn Rathsherrn Hollmann abgeben, woselbst die Bedingungen zur Einsicht offen liegen.
Die Commission.

Jeversches Wochenblatt 24. Dezember 1889

Die Lieferung von 150 mille bester blauer Klinker gegen den 15. März 1890, zur Pflasterung des Marktplatzes hieselbst, soll in drei Loosen, à 50 mille, in Submission vergeben werden.
Reflectanten wollen ihre versiegelten Offerten mit der Aufschrift: „Offerte auf die Lieferung von Klinkern zum Marktplatze” unter Beifügung von 5 Stück Probesteinen gegen den 10. Januar 1890 bei Herrn Rathsherrn Hollmann hieselbst einreichen, woselbst die Lieferungsbedingungen auch einzusehen sind.
Jever, 1889 Decbr. 22.

Die Commission.

Jeversches Wochenblatt 31. Dezember 1889


Bescheidene Anfrage.
Wäre es nicht richtiger gewesen, wenn die Arbeiten auf dem alten Markte, die an auswärtige Arbeiter für einen so niedrigen Preis verdungen sind, daß sie bei fleißiger Arbeit täglich höchstens 50 bis 60 Pfg. verdienen können, an hiesige Arbeiter für einen mäßigen Tagelohn überlassen worden wären? Dieselben haben jetzt keine Arbeitsgelegenheit, hätte darum dieses Verfahren nicht mehr der Billigkeit entsprochen?

Mehrere Bürger.

Jeversches Wochenblatt 11. Februar 1890

Lieferung von 4 - 500 cbm Sand nach dem Markplatze soll in Submission vergeben werden.
Baukommission
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Ergänzungen: Bei der hier berichteten Teil-Verfüllung war
die Blankgraf
t bereits vor 1846 (SEEGER, S. 15) durch den 'Königsdamm', benannt nach dem Gastwirt König, geteilt worden - 1997 wieder teil-geöffnet und mit einer Brücke versehen. Die Verfüllung 1890 fand auf einer Länge von 35 m statt. Zu erkennen ist dieses am noch heute vorhandenen Gewölbekanal ('Höhle'), der  heute in einem  Zwischenschacht endet. Das Johann-Ahlershaus stand in einem Bereich, der später auf 22 m zusätzlich zugeschüttet wurde. Der Gewölbekanal wurde durch ein Betonrohr um diese Strecke verlängert.
Die Bauunterlagen zum Ahlershaus (31.8.1968 eingeweiht) erläutern zur Festigkeit des dortigen Untergrundes, dass die Graft in diesem Bereich "vor 40 Jahren" verfüllt worden sei.
Das ergibt eine neue Aufgabe.


Quellen:
Dank an Wilke Krüger, der sein Archiv öffnete.
KATASTERAMT VAREL: Übersichtshandriss der Flur 7 in Jever durch Conductor Finnen und Hilfsgeometer Reuter vom 18.11.1842 bis 28.05.1844. Ausschnitt.
SEEGER, Marion,  Die Wallgrünanlagen der Stadt Jever. Eine gartendenkmalpflegerische Untersuchung. Diplomarbeit 2004.
STAATSARCHIV OLDENBURG: aus Best. 136 Nr. 2089 Vergrößerung des Viehmarktplatzes in Jever 1887 - 1891
STADT JEVER: Luftbild 2011 und Kanalinspektion.

Repro der Postkarten, Einzeichnung und Text:
V. Bleck Juli 2014